Abschluss für „Sommerklänge“ in Iserlohn: Von Bach bis Sting an einem Abend

11. September, 2026

Iserlohn. Anna Dorothea Mutterer und Timo Böcking beenden die „Sommerklänge“ in Iserlohn – mit Bach, Sting und einer klaren Botschaft.

Von , freier Mitarbeiter 10.09.2026, 09:00 Uhr
 

Seit zwölf Jahren gibt es inzwischen „Sommerklänge“ an der St.-Aloysius-Kirche in Iserlohn. Zum Abschluss der diesjährigen Konzertreihe nahmen Anna Dorothea Mutterer an der Violine und Timo Böcking am Flügel die Zuhörer mit auf eine musikalische Reise durch unterschiedlichste Genres und inspirierende Gedankenwelten.

© IKZ | Hubert Schmalor

Wenn Gudrun Knarr und Hanno Kreft vom Förderverein Musica Sacra, der für Planung, Organisation und Durchführung der „Sommerklänge“ verantwortlich zeichnet, auf das aktuelle Jahr zurückblicken, geraten beide ins Schwärmen. „Beim ersten Konzert in der Aloysiuskirche hat uns neben Tobias Leschke vor allem der damals erst 17-jährige Theo Schulte an der Orgel begeistert“, erinnert sich Gudrun Knarr. Hanno Kreft denkt an das zweite Konzert zurück: „Da wurden die unterschiedlichsten Facetten des Themas ,Mond‘ musikalisch ausgelotet – mit Gesang, Akkordeon und Harfe, zwischen Kunstlied und benachbarten Genres.“

Weniger erfreulich fällt Krefts Blick auf die nach wie vor vakante Kantorenstelle aus. „Nichts Neues. Die derzeitigen Strukturveränderungen mögen vielleicht dazu beitragen, dass keine aussagekräftigen Bewerbungen vorliegen“, konstatiert er. Zugleich fordert er generell mehr Wertschätzung für die Kirchenmusik – und kann dafür durchaus positive Beispiele nennen.

Musik aus allen Jahrhunderten

Mit „Hewenu shalom alechem“, einem hebräischen Friedensgruß, geben Anna Dorothea Mutterer und Timo Böcking beim Konzert am Dienstag gleich zu Beginn die inhaltliche wie musikalische Richtung vor. Das Thema wird vorgestellt, mit raffiniert erweiterten Harmonien unterlegt und anschließend improvisatorisch weiterentwickelt, bevor ein rasantes Klaviersolo einen furiosen Schlusspunkt setzt.

Das Duo hat sich 2020 zusammengefunden, um Musik aus allen Jahrhunderten und Teilen der Welt miteinander zu verbinden und mit Texten und Poesie in einen neuen Zusammenhang zu stellen. Mit ihrem Programm „Über Brücken“ haben sich die beiden vorgenommen, „Mauern einzureißen und Brücken zu bauen über vermeintliche Abgründe“. Da liegt „Bridge over troubled water“ ebenso nahe wie „Über sieben Brücken musst du gehen“, kunstvoll verarbeitet in einem Medley, das den Bogen bis in die Zeit der Wende spannt und zusätzlich „Wind of Change“ mit „Die Gedanken sind frei“ verbindet. Medleys geraten nicht selten kurzatmig und oberflächlich. Hier jedoch machen sie, ebenso wie das originelle Klassik-Medley, einfach Spaß: einfallsreich, immer wieder augenzwinkernd und gespickt mit überraschenden musikalischen Einfällen, ganz ohne Scheu vor den üblichen musikalischen Konventionen.

Viele bekannte Melodien, Ohrwürmer und echte Publikumsrenner prägen das Programm. Da ist das fantasievoll interpretierte „Over the Rainbow“, das tiefgründige „Summertime“ von George Gershwin, das philosophisch eingebundene „Imagine“ von John Lennon oder das historisch beleuchtete „Amazing Grace“, dessen musikalische Reise schließlich bei Dietrich Bonhoeffers „Von guten Mächten“ endet. Doch bei aller Vertrautheit der Melodien bleiben die Interpretationen stets eigenständig: Ungewohnte Arrangements und virtuose Improvisationen verleihen den bekannten Stücken eine ganz neue Farbe.

Botschaft von Zuversicht und Lebensfreude

Auch Eigenkompositionen und seltener zu hörende Songs finden ihren Platz. Besonders beeindruckend gerät „Fragile“ von Sting. Der Song erzählt von der Zerbrechlichkeit des Lebens und der Gewalt in Konflikten und verbindet düstere, dramatische Stimmungen mit hoffnungsvollen musikalischen Momenten. Spätestens hier wird deutlich: Die beiden haben eine Botschaft.
Und weil zu Zuversicht und Lebensfreude auch der Tanz gehört, führt eine Allemande für Violine solo von Johann Sebastian Bach zurück ins Barock. Anna Dorothea Mutterer gestaltet das Stück mit feiner Phrasierung und makelloser Tongebung.

Konzerte können noch so gut sein – wenn die Moderation nicht stimmt, bleibt dennoch etwas auf der Strecke. Auch hier liegt eine weitere Stärke des Duos. Zugewandt, nahbar und charmant plaudernd, dabei stets herzlich, führen Mutterer und Böcking durch das Programm, betten die Instrumentalstücke in persönliche Gedanken ein und ergänzen sie durch eigene Gedichte.

Bezeichnend für das moralische und sicherlich auch religiöse Fundament der beiden Musiker ist schließlich die Wahl der Zugabe: „Befiehl du deine Wege“, ein gewichtiger Choral des Theologen und Kirchenlieddichters Paul Gerhardt.

Und wenn dann auch noch Iserlohns Jazzgröße, Pianist Werner Geck, im Publikum sitzt, muss man sich um die musikalische Qualität der Auftretenden ohnehin keine Sorgen machen: Er weiß, was gut ist.

Quelle: IKZ-Online.de  (zuletzt aufgerufen am 23.09.2026)