Presse

Ökumenische Verbundenheit in der Iserlohner Kirchenmusik

29. Januar, 2023
 
Der katholische Kantor Tobias Leschke (li.) geht auch zukünftig gemeinsame Wege mit Rahel Schöttler und Hanns-Peter Springer von der Evangelischen Kantorei. 

Der katholische Kantor Tobias Leschke (li.) geht auch zukünftig gemeinsame Wege mit Rahel Schöttler und Hanns-Peter Springer von der Evangelischen Kantorei. 

Foto: Ralf Tiemann / IKZ

Iserlohn.  Die Kirchenmusiker Tobias Leschke und Hanns-Peter Springer setzen die ökumenische Zusammenarbeit fort

 

Ein gemeinsames Jahresprogramm mit allen kirchenmusikalischen Konzerten sowohl von katholischer als auch evangelischer Seite für das ganze Jahr – das ist eine wunderbare Sache und war in den vergangenen Jahren immer eine feste Größe für die Iserlohner Konzertgänger. Das Problem: Mit einem solchen gedruckten Programmheft sind alle Veranstaltungen bis ans Jahresende in Stein gemeißelt, was sich in den vergangenen Jahren der Verschiebungen und Absagen als geradezu verhängnisvoll entpuppt hat. Nicht nur Corona und die vielen Erkrankungen von Musikern, sondern auch ganz anders motivierte Verschiebungen oder auch der vorgezogene Renovierungsstart der Obersten Stadtkirche haben da sehr viel durcheinandergewirbelt, weswegen es im Jahresprogramm am Ende vor falschen Informationen, die sich auch nicht mehr vollends einfangen ließen, nur so wimmelte.

Für Hanns-Peter Springer ist unter diesem Blickwinkel der 20. August des vergangenen Jahres ein echter Tiefpunkt gewesen, als einige Konzertbesucher für die angekündigte Musiknacht der Kantorei vor der Tür standen und enttäuscht wieder nach Hause fahren mussten, weil das Konzert wegen der Kirchenrenovierung längst abgesagt war.

Müssen Ökumene nicht mehr demonstrieren

Der Kantor an der Obersten Stadtkirche hat deswegen auch die Initiative ergriffen und zusammen mit Tobias Leschke, Kantor an der Aloysius-Kirche, beschlossen, erstmals auf ein gemeinsames Programmheft zu verzichten – wohl wissend, dass dieses gemeinsame Jahresprogramm gerade in den Anfangsjahren ein deutliches und stark wahrgenommenes Zeichen der wachsenden Ökumene in Iserlohn war. „Die ökumenische Zusammenarbeit müssen wir heute nicht mehr demonstrieren“, sagt aber Pfarrerin Rahel Schöttler, die die Öffentlichkeitsarbeit für die Evangelische Kantorei leistet. „Wir haben inzwischen eine andere Ebene erreicht.“

 

Mehr zum Thema: Die Kirchenmusik weiter voran bringen

Die tiefe Verbundenheit der hauptamtlichen Kirchenmusiker beider Konfessionen in Form von gemeinsamen Konzerten, Projekten und Bildungsangeboten – aber auch in der gegenseitigen Rücksichtnahme bei der terminlichen Planung – sei längst eine Selbstverständlichkeit geworden. Und sie leide keineswegs unter dem Schritt, zukünftig auf das gedruckte Programm zu verzichten.

Weihnachtsoratorium war ein ökumenischer Höhepunkt

Das bestätigt auch Tobias Leschke. Das gemeinsame Weihnachtsoratorium vor einem Monat sei ein neuer Höhepunkt in dieser Beziehung gewesen.

Er fügt aber auch hinzu, dass der immense Aufwand, ein solches Programm für das ganze Jahr zu erstellen, inzwischen in keinem guten Verhältnis mehr zu dem Ergebnis stehe, da die Bedeutung und die Nachfrage nach einem gedruckten Programm deutlich zurückgegangen sei und beide Gemeinden zuletzt auf immer mehr Exemplaren sitzen geblieben seien.

Die Planungen für das Jahr sind aber dennoch schon weit fortgeschritten. Beide Seiten kommen aber zunächst mit einem Halbjahresprogramm heraus. Hanns-Peter Springer wird in Kürze einen Folder dazu veröffentlichen und natürlich alle Termine auf die Homepage www.kantorei-iserlohn.de stellen. Tobias Leschke hat bereits Flyer und Plakate für das erste halbe Jahr gedruckt und seine Konzerte unter www.musica-sacra-iserlohn.de angekündigt. Erster Termin ist dabei ein Konzert von Hanno Kreft (Gesang) und ihm selbst an der Orgel in der Kirche St. Josef anlässlich der Grundsteinlegung der Kirche vor 50 Jahren. Danach folgen noch verschiedene anlassbezogene Konzerte zu Ostern, Pfingsten und im Mai. In der zweiten Jahreshälfte wird dann die beliebte Reihe der „Sommerklänge“ fortgesetzt. Großes Ziel für seinen Kammerchor ist dann der 5. November, wenn er in der St.-Aloysius-Kirche das Mozart-Requiem aufführen will – ein Herzensprojekt von Tobias Leschke, das nun schon drei Jahre auf seine Verwirklichung wartet. Diesen Termin sollte man sich schon einmal vormerken, ebenso wie das festliche Weihnachtskonzert mit den Chören des Pastoralverbundes am zweiten Weihnachtstag.

Pop-Oratorium „Emmaus“ ist das große Projekt des Jahres

Im evangelischen Kantorat ist das Pop-Oratorium „Emmaus“ das dominierende Projekt im ersten Halbjahr. Wie schon beim „Prince of Peace“ vor der Pandemie soll unter der Leitung von Ute Springer ein großer Projektchor zusammenfinden, der vom Jungen Chor „5nach5“ und dem Popchor „Rise Up!“ getragen wird, darüber hinaus aber für alle interessierten Sängerinnen und Sänger der Stadt offen ist. Am 3. Juni soll die Iserlohner Aufführung in der Johannes-Kirche am Nußberg stattfinden (die Oberste Stadtkirche steht auch dann noch nicht zur Verfügung). Anschließend geht es für weitere Aufführungen zum Kirchentag nach Nürnberg.

Natürlich werden auch die Marktmusiken in der Reformierten Kirche fortgesetzt, ebenso wie andere beliebte Formate vom festlichen Osterkonzert bis zum Feuerwerk der Orgelpfeifen zu Silvester. Dazu zählen neuerdings auch die Benefizkonzerte für die Renovierung der Obersten Stadtkirche, die schon am 12. Februar mit einem Gastspiel von „Iserlohn Brass“ in der Bauernkirche fortgesetzt werden. Neu sind die beiden Orgel-Nachtgedanken, die Hanns-Peter Springer als Kurz-Konzerte um 21.30 Uhr im Sommer (5. Juli und 2. August) in der Bauernkirche anbietet. Und als besonderes Chorkonzert mit allen Chören der Kantorei steht die „Nacht der Reformation“ am 28. Oktober auf dem Programm


Ergreifende Aufführung in Aloysius-Kirche in Iserlohn

1. Januar, 2023

Ein imposantes Gesamtbild beim Weihnachtsoratorium: die Chöre der Innenstadtgemeinden, die Solisten und das Ensemble Ghiribizzo in der gut besuchten St.-Aloysius-Kirche.

Foto: Dennis Echtermann

Iserlohn.  Wie das große ökumenische Gemeinschaftsprojekt zu Weihnachten in Iserlohn, die Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium, angekommen ist.

Fünf Chöre, vier Solisten, drei Kantaten, zwei Konfessionen, eine frohe Botschaft – so lautete die Ankündigung für die Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium, das große ökumenische Gemeinschaftsprojekt zu Weihnachten in Iserlohn. Jetzt lässt sich hinzufügen: und ein großer Erfolg. Denn mehr als 500 Besucherinnen und Besucher lockte die Aufführung am Montagabend in die katholische St.-Aloysius-Kirche.

Weltliche Musik zu Weihnachten gibt es viel. Aber bei den geistlich-kirchlichen Werken gibt es eigentlich nur einen Klassiker: das Bach’sche Weihnachtsoratorium. Ein ebenso großes wie großartiges Werk. Mit einem fulminanten Anfang: Das „Jauchzet, frohlocket“ des Chores, von Pauken und Blechbläsern eindrucksvoll unterstützt, fasst die Botschaft von der Geburt Christi, der Weihnachtsgeschichte, zusammen und stimmt auf das Gesamtwerk mit seinen sechs Teilen hervorragend ein; am Montagabend kamen in der festlich geschmückten Aloysius-Kirche die Teile I bis III zur Aufführung.

 

„Die Rezitative tragen die Geschichte vor; die Arien reflektieren sie“, stellt Kirchenmusikdirektor Hanns-Peter Springer von der evangelischen Kirche heraus – eine Aufgabe, die die 80 Sängerinnen und Sänger von der Evangelischen Kantorei Iserlohn, vom Jungen Chor 5nach5, vom Collegium Vocale, vom Jungen Chor und vom Kammerchor des Pastoralverbunds Iserlohn bestens meisterten. Bei den Arien glänzten Merle Bader (So­pran), Anna Kristina Naechster (Alt), Leonhard Reso (Tenor) und Andreas Elias Post (Bass). In der Leitung wie an der Truhenorgel wechselten sich Hanns-Peter Springer, Ute Springer und Tobias Leschke von katholischer Seite jeweils ab.

Ein echter Weihnachtsmoment zum Abschluss

„Gemeinsam sind wir stark“, hatte Tobias Leschke die ökumenische Zusammenarbeit erklärt – zumal die Oberste Stadtkirche der Protestanten wegen der Restaurierung als Aufführungsort ausfiel. Leschke dankte zudem dem Erzbistum Paderborn, der Sparkasse Iserlohn und dem städtischen Kulturbüro für die finanzielle Unterstützung.

Am Ende feierte das Publikum im Stehen mit minutenlangem Applaus die Ausführenden – und gemeinsam stimmten alle „O, Du fröhliche“ an – ein echter Weihnachtsmoment.


Bachs Weihnachtsoratorium mit vereinten Kräften

18. Dezember, 2022
 
 

80 Sängerinnen und Sänger haben am Wochenende im Pankratius-Forum geprobt.

Foto: Ralf Tiemann

von Ralf Tiemann

Iserlohn.  Die Chöre der Kantorei und der Musica Sacra führen am zweiten Weihnachtstag das Werk gemeinsam in St. Aloysius in Iserlohn auf.

Überbordender Weihnachtsjubel klingt aus dem Saal des Pankratius-Forums. Aus 80 Kehlen erklingt der berühmte Chor aus Bachs Weihnachtsoratorium „Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen“. Kantor Tobias Leschke steht am Notenpult und geht bereits in die Feinheiten dieses mächtigen, fugenartig angelegten Stückes: frische, präzise Einsätze, klare Intonation und die richtigen Atemzäsuren, damit die langgezogenen, perlenden Koloraturen das Publikum am zweiten Weihnachtstag mit genau der Weihnachtsfreude anstecken, wie Bach sie schon 1734 bei der Uraufführung vor Ohren hatte.

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Dabei ist es gerade diese ansteckende Freude, die man den Iserlohner Sängerinnen und Sängern gar nicht erst einimpfen muss. Jedem ist bewusst, dass er gerade bei einem ganz besonderen Projekt dabei ist, und die Freude darüber, dass hier etwas Neues und Großes entsteht, war am vergangenen Probenwochenende allgegenwärtig. Erstmals in der Geschichte der Stadt haben sich die Chöre der evangelischen Kantorei und der katholischen Musica Sacra zusammengetan, um dieses Monument der barocken Kirchenmusik gemeinsam zum Klingen zu bringen.

Hanns-Peter Springer: „Wir setzen hier gerade sicherlich Maßstäbe für die Zukunft“

„Wir setzen hier gerade sicherlich Maßstäbe für die Zukunft“, ordnet Hanns-Peter Springer, Leiter der evangelischen Kantorei an der Obersten Stadtkirche, das Projekt ein. Mit seiner Frau Ute Springer arbeitet er bereits seit mehr als 20 Jahren sehr aktiv an einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit seinen katholischen Kollegen an der Aloysius-Kirche und ist in Sachen Ökumene in Iserlohn oftmals vorangeschritten. Er nimmt eine ungeheure Offenheit und Bereitschaft auf beiden Seiten wahr. „Das machen wir doch jetzt öfter, oder?“, laute die typische Reaktion aus den Reihen der Teilnehmer.

 

Auch Tobias Leschke, Leiter der katholischen Musica Sacra, ist begeistert von dem, was gerade passiert – nicht nur musikalisch, sondern auch stimmungsmäßig auf der sozialen Ebene zwischen den katholischen und evangelischen Chören. „Jauchzet frohlocket, auf singet ihr Chöre“, heißt es da in dem berühmten Anfangschor. Und das muss man den vielen höchst motivierten Sängerinnen und Sängern nicht zwei Mal sagen.

Tobias Leschke: „Einen besseren Nach-Corona-Start kann man sich gar nicht wünschen“

Vor fünf Jahren hatte es bereits eine erste Weihnachts-Kooperation gegeben. 2017 hatten sich die Kantorei und die Musica Sacra – damals noch unter der Leitung von Christopher Brauckmann – ergänzt, um nacheinander alle sechs Teile des Weihnachtsoratoriums in Iserlohn an den beiden Kirchen aufzuführen. Nun sei aber die Zeit reif gewesen, um sich richtig zusammenzutun, sagt Tobias Leschke. Schon sehr früh sei bei den gemeinsamen Planungen klar gewesen, dass beide Seiten nach Corona die ersten drei Teile des Oratoriums singen wollen. Die renovierungsbedingte Schließung der Obersten Stadtkirche habe dann zusätzlich die Weichen gestellt, so dass die Kirchenmusiker in Iserlohns Innenstadt ihre Kräfte zusammengelegt haben.

Beteiligt sind das „Collegium Vocale“ und der Kammerchor an St. Aloysius katholischerseits sowie die Kantorei Iserlohn und der „Junge Chor 5nach5“ von evangelischer Seite und ergeben einen großen und prachtvollen Chor mit rein Iserlohner Stimmen, wie man ihn lange nicht in der Innenstadt gehört hat.

Jeder der drei Kirchenmusiker dirigiert einen Oratoriums-Teil

Ute Springer dirigiert den ersten Teil, Hanns-Peter Springer den zweiten und Tobias Leschke den dritten. „Einen besseren Nach-Corona-Start kann man sich gar nicht wünschen“, sagt Leschke.

Eine Selbstverständlichkeit ist eine solche Kooperation nach wie vor nicht. Letztlich treffen hier ja auch zwei immer noch sehr unterschiedliche musikalische Traditionen aufeinander. Für die evangelischen Chöre gehört Bachs „WO“ sozusagen zur natürlichen DNA – ein alljährlich wiederkehrender Höhepunkt. In der Kantorei gibt es erfahrene Sänger, die das Werk ohne Übertreibung schon an die 60 Mal gesungen haben. Für die meisten Katholiken ist es hingegen gänzlich neu. Bestes Beispiel dafür ist Tobias Leschke selbst, der das Weihnachtsoratorium bisher nur aus dem Studium kannte und nun erstmals direkt daran beteiligt ist.

Das macht das Projekt ebenso spannend wie die Zusammensetzung der Generationen. Die „5nach5er“ machen größtenteils erstmals Bekanntschaft mit der barocken Klangwelt, die jungen Männer des Chores singen erstmals im Bass, man lernt voneinander, und auch das weckt eine große Begeisterung für die Musik. „Es kommt vieles zusammen“, sagt Hanns-Peter Springer, der mit seinen Sängerinnen und Sängern auch erstmals in dem riesigen und mächtig nachhallenden Raum der Aloysius-Kirche singen wird – Neuland, wo man nur hinschaut.

Freier Eintritt in die geheizte Aloysius-Kirche

„Alles das macht etwas mit uns“, sagt Springer, und meint auch und vor allem diese erhebende und alles überstrahlende Musik mit ihrer starken Aussage. Sich als Christ hinzustellen und diesen unbändigen Weihnachtsjubel freudig und selbstbewusst hinauszurufen – auch das sei heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Genau darauf darf sich das Publikum am zweiten Weihnachtstag aber freuen. Ab 17 Uhr werden die ersten drei Teile am 26. Dezember in der geheizten Aloysius-Kirche erklingen. Als Solisten wirken Merle Bader (So­pran), Anna Kristina Naechster (Alt), Leonhard Reso (Tenor) und Andreas Elias Post (Bass) mit. Begleitet werden Chor und Solisten vom „Ensemble Ghiribizzo“, mit dem Tobias Leschke schon öfter zusammengearbeitet hat. Der Eintritt – auch das ist neu – ist frei. Durch erhebliche Zuschüsse des Bistums Paderborn, der Stadt Iserlohn und der Sparkasse Iserlohn bleibt nur eine kleine Lücke bei der Finanzierung der Aufführung, die durch eine Kollekte am Ausgang gefüllt werden soll. Es gibt also keinen Vorverkauf und keine Platzreservierungen: Alle sind eingeladen, einfach zu kommen und sich anstecken zu lassen.


Eine starke Gemeinschaft und höchster (musikalischer) Genuss in Rom

30. Oktober, 2022

Romfahrt des Jungen Chores im PV Iserlohn vom 02.10.2022 bis 06.10.2022

 

Nach einer zweijährigen pandemiebedingten Wartezeit war es nun endlich so weit. Die Vorfreude steigerte sich von Woche zu Woche, und so recht konnten wir es auch nicht glauben, aber tatsächlich landeten wir am Sonntagabend nahezu pünktlich auf dem Aeroporto di Roma Fiumicino ‘Leonardo da Vinci’ in der ewigen Stadt Rom.

Von hier an begann eine Reise, von der niemand ahnen konnte, wie sehr sie für uns alle unvergesslich wurde.

Man kennt seine Mitsingenden von der Chorprobe und von Auftritten. Dass die Chemie zwischen allen stimmt, war schon immer klar, aber die Fahrt nach Rom hat uns gezeigt, dass wir mehr als nur ein Chor, nämlich eine sehr starke Gemeinschaft – eine echte „Gruppo“ – sind.

Beginnend bei den Fahrgemeinschaften zum Flughafen und den gemeinsamen Abendessen (jeden Tag in einem anderen Viertel Roms) haben wir den Großteil der Zeit gemeinsam verbracht und uns nochmal besser kennen und schätzen gelernt. 

Zu verdanken hat der Junge Chor im Pastoralverbund Iserlohn diese wunderbare Erfahrung nicht nur der hervorragenden Planung und Reiseleitung, sondern auch der Stadt Rom selbst und dem Apostel Petrus höchstpersönlich. Ihm wird ja nachgesagt, dass er verantwortlich für das Wetter sei, und für uns hat er in dieser Woche sein Bestes gegeben – Strahlender Sonnenschein und spätsommerliche Wärme haben die Schönheiten dieser einzigartigen Stadt erstrahlen lassen: Kolosseum, Forum Romanum, Fontana di Trevi und Piazza Navona brachten im Sonnenschein ihre Schönheiten in unfassbarer Weise hervor. Die Generalaudienz am Mittwochmorgen auf dem Petersplatz, bei der unser Chor den Heiligen Vater – Papst Franziskus – sehr nah erleben durfte, war sicherlich ein herausragendes Erlebnis unserer Fahrt. Und das anschließende Mittagessen in der Hostaria „I Quattro Mori“, in der auch schon Päpste essen waren und in der nur die Wahl zwischen „Carne“ (Fleisch) oder „Pesce“ (Fisch) erfolgt, hat diesen besonderen Tag auch kulinarisch abgerundet.

Das absolut größte und für uns alle prägendste Ereignis war jedoch die Chorprobe mit anschließendem Auftritt unseres Chores in der wunderschönen Kirche Santa Maria dell´Anima der deutschsprachigen Katholiken in Rom. Es war ein erhabenes Gefühl, als kleiner Iserlohner Chor in der heiligen Stadt singen und die Abendmesse gestalten zu dürfen. Das anschließende Konzert unseres Chorleiters und Dekanatskirchenmusikers Tobias Leschke an der Orgel zusammen mit unserer ehemaligen Stimmbildnerin, der Sopranistin Anna Kristina Naechster, in dieser wunderschönen Umgebung war definitiv das absolute Highlight dieser wundervollen fünf Tage in Rom.

Nichts konnte jemals die Gemeinschaft dieses Chores so sehr stärken wie die Reise nach Rom, die für alle unvergessen bleiben wird.

 

Oliver Dege


Atemberaubende Orgelwerke in St. Aloysius

5. August, 2022

 

Dekanatskirchenmusiker Tobias Leschke eröffnete die diesjährige „Sommerklänge“-Reihe in der Iserlohner Pfarrkirche St. Aloysius mit einem fulminanten  Orgelkonzert.

Dekanatskirchenmusiker Tobias Leschke eröffnete die diesjährige „Sommerklänge“-Reihe in der Iserlohner Pfarrkirche St. Aloysius mit einem fulminanten  Orgelkonzert.

Foto: Hartmut Becker

Iserlohn.  Dekanatskirchenmusiker Tobias Leschke hat die Iserlohner „Sommerklänge“ mit einem fulminanten Konzert in der St.-Aloysius-Kirche eröffnet.

 

Was für ein fulminanter Auftakt der diesjährigen „Sommerklänge-Reihe“ in der St.-Aloysius-Kirche. Dorthin hatte am Dienstag Dekanatskirchenmusiker Tobias Leschke eingeladen.

Unter dem Motto: „Von Apokalypse bis Allegro – Man soll die Feste feiern, wie sie fallen“, präsentierte Leschke an der Orgel des Gotteshauses atemberaubende Werke klassischer und zeitgenössischer Komponisten. Sie hätten entweder in diesem Jahr einen „runden“ Geburtstag gefeiert, oder es gibt ein Gedenken an sie wegen eines besonderen Todestages.

Mit dem Stück „Entrée en forme de carillon“ von Théodore Dubois (1837-1924) setzte Tobias Leschke gleich zu Beginn ein erstes Ausrufezeichen. Das Stück beinhaltet ein kleines Glockenspiel, eingebettet in ein opulentes Beiwerk. Schon jetzt lässt sich erahnen, über welche Bandbreite die Orgel von St. Aloysius verfügt. Das dreimanualige Ins­trument (Hauptwerk, Rückpositiv, Schwellwerk) und die Pedale wurden in den Jahren 1924/1925 durch das Unternehmen A. Feith (Paderborn) gebaut und erfuhr 2005 eine Generalreinigung durch die Werler Orgelbaufirma F. Stockmann.

Immense Klangvielfalt ausgeschöpft

Auch das zweite Stück, „Sonate I, op. 65/1“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), dessen 175. Todestag sich 2022 jährt, fügt sich nahtlos an das aufrüttelnde und atemberaubende Werk von Dubois an. Tobias Leschke schöpft zwischen „Allegro moderato“ und „Allegro assai vivace“ die immense Klangvielfalt des Instrumentes aus.

 

Fast wie ein Fremdkörper wirkt die Komposition „Nach der Apokalyptik – Toccata und Vision“ des 1950 geborenen Komponisten Enjott Schneider. Er schrieb das Stück während der Corona-Pandemie. Auf den Zuhörer wirkt es fremd, Leise- und Lautpassagen wechseln sich mit scheinbaren Disharmonien ab und dokumentieren so die Unruhe, Unsicherheit und Zerrissenheit, die Corona über die Menschen brachte. Gleichwohl mündet das Stück in eine versöhnliche und harmonische Vision, dass die Menschheit es schafft, die Corona-Krise zu überwinden.

Vor 150 Jahren wurde die „Präludium und Fuge über den Namen B-A-C-H“ aus der Feder von Franz Liszt das erste Mal gedruckt. Liszt komponierte es für die Einweihung der renovierten Orgel des Merseburger Doms. Das Manuskript wurde jedoch erst nach dem Festkonzert fertig, die Erstausgabe erschien um 1859 in Holland. Heute wird das Werk vor allem in seiner zweiten Fassung von 1872 gespielt. Das gut zwölfminütige Stück überzeugt durch große formale Geschlossenheit und, releativ zum spieltechnischen Aufwand, überwältigende Dramaturgie, die alle klanglichen Facetten der Aloysius-Orgel zur Wirkung kommen lässt.

Oliver Messiaen (1908-1992) komponierte „IV. Prière du Christ montant vers son père, aus L’Ascension (Himmelfahrt)“. Das Stück besticht durch seine Spiritualität und lässt den Zuhörer viel Raum für eigene Interpretationen.

Heiteres Werk entlässt in lauen Sommerabend

Einen wahrhaft brillanten Schlusspunkt setzte Leschke mit „Allegro brilliante“ von Vicenzo Antonio Petrali (1832-1898). Das heitere Werk perlt wie ein leicht gekühlter Prosecco und ist bestens geeignet, um nach dem Konzertgenuss in einen lauen Sommerabend zu gehen und sich schon jetzt auf die zweite „Sommerklänge“-Veranstaltung zu freuen. Am Dienstag, 9. August, gastiert das Ensemble „Ruhrcharme“ in der Kirche St. Aloysius.


Iserlohner spenden nach “Kreuzigung der Ukraine”

22. März, 2022

Christopher Brauckmann, Vorgänger von Tobias Leschke als Kantor in Iserlohn, war am Sonntag mit seinem Bach-Chor aus Hagen in der Aloysius-Kirche zu Gast.

von Ralf Tiemann

ISERLOHN.  Der Bach-Chor Hagen erfreut das Publikum in der Iserlohner Aloysius-Kirche überraschend früh mit einer Passion. Das Konzert wurde umgewidmet.

Angesichts der aktuellen Weltlage vergisst man es fast. Es ist Fastenzeit. Und nach zwei Jahren Pandemie ist man beinahe schon komplett entwöhnt. Aber eigentlich gab es zu dieser Zeit des Jahres auch in Iserlohn immer große Passionsmusiken zu hören: Riesige und gewichtige Werke mit großem Chor, Orchester, Solisten und rappelvollen Kirchen, die die besondere Stimmung der Passion ergreifend und erhebend vermittelten.

Das war einmal, muss man auch in diesem inzwischen dritten Corona-Frühling leider sagen. Keiner der großen Iserlohner Chöre ist schon wieder so weit, überhaupt hat es nach wie vor seit Pandemiebeginn kaum ein richtiges Chorkonzert, so wie man es vorher kannte, gegeben.

Hagener Bach-Chor wollte schnell wieder auf die Bühne

Umso bemerkenswerter ist es, dass Dekanatskantor Tobias Leschke am Sonntag nicht wie in den Jahren zuvor, zu einem Solistenkonzert im coronagerechten Kleinformat, sondern tatsächlich zu einem Passionskonzert mit Chor einladen konnte. Der Bach-Chor Hagen war am Sonntagnachmittag in der Aloysius-Kirche zu Gast und hatte „The Crucifixion“ („Die Kreuzigung“) des englischen Komponisten John Stainer im Programm – was für eine Freude. Und auch das war ausgesprochen ergreifend und erhebend.

„Wir wollten unbedingt wieder raus und auf die Bühne“, sagt Christopher Brauckmann, Vorgänger von Tobias Leschke in Iserlohn und seit 2016 Leiter des Hagener Bach-Chores, im Gespräch. Natürlich habe auch dieser Chor in der Pandemie Federn gelassen. „Wir waren vor der Pandemie auf einem sehr guten Weg, qualitativ dahin zu kommen, wo ich mir den Chor vorstelle“, sagt Brauckmann. Corona habe auch ihn dann weit zurückgeworfen. Immer wieder neue und lange Probenpause, anvisierte und dann doch abgesagte Konzerte und die immer noch anhaltenden Inzidenzzahlen sind auch an diesem leistungsstarken Kammerchor nicht spurlos vorbeigegangen. Vorher hatte er mehr als 30 Sängerinnen und Sänger zur Verfügung. Jetzt war er mit 20 Kräften angereist.

Auch der Bach-Chor hat – wie die meisten anderen Chöre auch – erst im Februar wieder die ernstzunehmende Probenarbeit aufgenommen. Brauckmann zückte aber ein bereits gut bekanntes Werk zur Passion und brachte den Chor in wenige Wochen wieder in Form, um möglichst schnell wieder vor Publikum singen zu können.

Kollekte ging an die Iserlohner Flüchtlingshilfe der Kirche

Und das wurde vom Publikum in der gut besuchten Aloysius-Kirche mit großer Dankbarkeit und viel Beifall aufgenommen. Stainers romantische Vertonung der Passions-Geschichte ist ein eindringliches Werk, das mit vielen Solo-Passagen (hier sprang der Iserlohner Sänger Hanno Kreft für einen quarantänebedingt ausgefallenen Solisten ein), dramatischen Choreinwürfen, ruhig fließenden Chorälen und wunderbaren Hymnen im englischen Stil sehr vieles bietet. Von Tobias Leschke an der Orgel begleitet sang der Chor das Werk hoch oben auf der Empore und ließ es aus der Ferne auf das Publikum herunterrieseln.

Leschke widmete das Konzert aus aktuellem Anlass auch um. Normalerweise geht die Kollekte am Ausgang an die Förderung der Kirchenmusik in Iserlohn. „Wir erleben gerade auch eine Kreuzigung“, erklärte Leschke zu Beginn des Konzertes passend zum aufgeführten Werk – „die Kreuzigung der Ukraine“. Und so füllten sich am Ausgang die Spendenkörbe für die umfangreiche Flüchtlingshilfe, die unter dem Dach des katholischen Pastoralverbundes Iserlohn angelaufen ist .

 


Musikalische Andacht wird gern genutzt

25. Januar, 2022


Tobias Leschke greift alte Tradition auf

Von Hubert Schmalor
Iserlohn. Bisweilen wurde ja während der Pandemie auch einmal nach positiven Effekten der Corona- Einschränkungen gesucht, dabei stieß man unter anderem auf digitale Fortschritte im Schulbereich und die Ausdehnung des Homeoffices.
Eine Erscheinung dieser Zeit ist sicher auch das verstärkte Auftreten des Formats der „Musikalischen Andacht“. Der Not gehorchend, weil keine großangelegten Konzerte erlaubt waren, hat sich unter dem flexibleren Schirm gottesdienstähnlicher Veranstaltungen mit den „Musikalischen Andachten“ eine Möglichkeit entfaltet, zumindest in kleinen Besetzungen und unter deutlichem Einbezug von (Bibel-) Texten und unter Beachtung diverser Anlässe des Kirchenjahres auch konzertant aktiv zu bleiben. Dass dies durchaus Chancen bietet und man auch kreativ mit diesem „kleinen“ Format umgehen kann, hat Dekanats-kirchenmusiker TobiasLeschke in letzter Zeit des Öfteren
unter Beweis gestellt. „A ceremony of nine lessons and carols“ auf dem Programm. Nicht nur die Gemeindemitglieder, sondern auch externe Musikliebhaber nahmen diese Angebote in der Aloysiuskirche bisher dankend an. Mit dem Titel „A ceremony of nine lessons and carols“ griff Leschke am Sonntagabend die Tradition der anglikanischen Kirche auf, in der Weihnachtszeit einen Gottesdienst zu feiern, in dem neun biblische Lesungen im Mittel-punkt stehen und neun Lieder das Weihnachtsgeheimnis ausdeuten. In Anlehnung an die oft als Vorbild dienende Feier im King’s College in Cambridge begann das von Leschke kurzfristig statt des geplanten Projektchores zusammengestellte und geleitete Vokalquartett (Daria Burlak, Sopran, Eva Nesselrath, Alt, Leonardo Reso, Tenor, Hanno Kreft, Bass) mit dem traditionellen „Once in Royal David’s City“. Zwischen den dann vom starken Gesangs-quartett vorgetragenen weiteren acht englischen Weihnachtsliedern (Carols) hatten die Zuhörer die Gelegenheit, diese musikalischen Eindrücke mit den von Diakon Heinz-Rüdiger Lülff vorgetragenen biblischen wie auch literarischen Weihnachtstexten in Beziehung zu setzen. Begleitet wurde der, sicher aus abstimmungstechnischen Gründen von der Orgelempore aus agierende, Chor in dezenter Abstimmung und immer passender Registrierung auf der Orgel von Sebastian Freitag, ab März als Domorganist in Dresden tätig. Nach dem auch zur „Ceremony“
gehörenden „Vater unser“ und dem Segen setzte Freitag mit
der „Fanfare on Ps. 1“ des englischen Komponisten John Cook
einen feierlichen Schlusspunkt.


Der Wunsch nach Abstand ist derzeit groß

11. Januar, 2022

 

Beim Adventssingen in der Obersten Stadtkirche hatte die Evangelische Kantorei ihren bislang letzten Auftritt. Nun legt der Chor erst einmal eine Pause ein.

Beim Adventssingen in der Obersten Stadtkirche hatte die Evangelische Kantorei ihren bislang letzten Auftritt. Nun legt der Chor erst einmal eine Pause ein.

Foto: Michael May / IKZ

von Ralf Tiemann

Iserlohn.  Auch die großen Kirchenchöre legen angesichts der Omikron-Variante ein Pause ein

Theorie und Wirklichkeit können schon mal weit auseinandergehen – gerade in der Pandemie, wenn sich das Sicherheitsgefühl nicht mit den geltenden Bestimmungen deckt und eine Eigendynamik entwickelt. Vor allem in der Iserlohner Chorszene können davon viele ein Lied singen.

Proben sind derzeit grundsätzlich erlaubt, die Kontaktbeschränkungen auf lediglich zehn Personen gelten nur im privaten Rahmen. Chöre dürfen sich also treffen, insofern sie die 2G-Plus-Regel einhalten, wobei dies hier in NRW die Booster-Impfung ähnlich wie beim Hallensport nicht ersetzt. Wer also singen möchte, muss doppelt geimpft oder genesen sein und zusätzlich ein offizielles und aktuelles Schnelltest-Ergebnis mitbringen. Dann steht einer Probe nichts im Wege.

Soweit die Theorie, die Praxis sieht anders aus. Denn die allermeisten Chöre singen derzeit nicht. Sogar die beiden Iserlohner Kantoren Hanns-Peter Springer und Tobias Leschke – die in der Advents- und Weihnachtszeit noch frisch vorangeschritten sind, dabei deutlich weiter gegangen sind als die meisten anderen Chöre und vieles noch ermöglicht haben, was andernorts längst abgesagt worden war – legen nun mit ihren Kirchenchören erst einmal eine Pause ein. „Momentan ist das einfach nicht machbar“, sagt Tobias Leschke, der im Januar gerne wieder zu seinem großen nachweihnachtlichen Chorprojekt Projektchor „A ceremony of nine lessons and carols“ eingeladen hätte, das aber nun abgesagt hat. „Die Zahlen explodieren und die Absagen häufen sich“, sagt er. Viertelstündlich riefen die Leute an um sich abzumelden, von einstmals 60 angemeldeten Sängerinnen und Sängern waren gestern noch rund 30 übrig. „Es ist besser, momentan nichts zu machen“, sagt der katholische Kirchenmusiker und setzt vorerst auch die wöchentlichen Proben seiner festen Chöre aus.

Zwickmühle zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Im Gespräch bestätigt er den Eindruck, dass man sich als Chorleiter geradezu in einer Zwickmühle befinde. Natürlich will man so viel wie möglich realisieren und das Erlaubte ausreizen. Wer aber seine Proben und Projekte durchzieht, kann auch schnell Kopfschütteln ernten. Der Wunsch nach Abstand sei derzeit bei vielen größer als der Wunsch zu singen.

Das empfindet Hanns-Peter Springer ganz ähnlich, der vor Weihnachten konzertant mit der Evangelischen Kantorei oder in Form von Offenem Singen mit der Gemeinde noch sehr aktiv war, nun aber auch die Präsenzproben erst einmal aussetzt. „Omikron ist derart ansteckend und macht auch vor der Booster-Impfung nicht Halt“, sagt er. Und auch wenn die Verläufe größtenteils nur leicht seien, möchte er das Lutherhaus bei den Proben nicht zum Ansteckungsherd machen. Nach Weihnachten sei der Informationsfluss noch nicht wieder in Gang gekommen, mit vielen Kollegen habe er noch nicht sprechen können und auch von der Landeskirche gebe es noch keine Maßgabe. Für sich habe er aber entschieden, zunächst zu pausieren und abzuwarten. Auch das weitere Vorgehen in der Kinder- und Jugendkantorei sei noch unklar. An diesem Mittwoch sind die Kinderchöre als Sternsinger in der Innenstadt unterwegs, um in einem ganz neuen Format einen „Segen to go“ zu spenden. Wie es danach weitergeht, wird sich dann zeigen.

Gerade mit Blick auf die Kinder und Jugendlichen und dem hohen Wert für die Bildung hatte die Landeskirche die Kirchenmusiker vor Weihnachten noch sehr beflügelt und ermuntert, weiterzumachen. Und gerne blicken die Iserlohner Kirchenmusiker auf diese Zeit zurück. In der katholischen Aloysius-Kirche hatte es bekanntlich ein Konzert mit dem Kammerchor des Pastoralverbundes und einen Heilig-Abend-Festgottesdienst mit viel Chorgesang gegeben. „Das war wunderschön“, sagt Tobias Leschke. Unter den gegebenen Umständen habe man das beste herausgeholt. Und auch Hans-Peter Springer behält die Adventszeit mit vielen Auftritten und Aktionen in der zugigen Obersten Stadtkirche oder unter freiem Himmel in guter Erinnerung.

„Dass wir das hatten, war ein Lichtblick und offenes Portal, das nicht nur die Mängel, sondern die Möglichkeiten gezeigt hat“, sagt er. Und das auch für die Zukunft positiv stimme. Derzeit fühle man sich von Omikron zwar geradezu überrannt. Auf lange Sicht habe er aber große Hoffnungen, dass es wieder bergauf geht.


Vivaldis “Magnificat” als Höhepunkt

29. Dezember, 2021
In der St.-Aloysius-Kirche erlebten die Besucherinnen und Besucher ein besonderes Weihnachts-Fest-Konzert

In der St.-Aloysius-Kirche erlebten die Besucherinnen und Besucher ein besonderes Weihnachts-Fest-Konzert

Foto: Dennis Echtermann

Iserlohn.  In der Iserlohner Aloysiuskirche gab es ein besonderes Festkonzert.

Gerade am Fest des Friedens, an Weihnachten, sollten Unstimmigkeiten einmal beiseite gelegt werden. Und so ist es müßig, darüber zu streiten, ob man derzeit angesichts der pandemischen Entwicklung ein Weihnachtskonzert in „Präsenz“, also vor Ort, aufführen sollte, und dazu noch ein Konzert unter Beteiligung eines Chores. Lassen wir es also dabei: Die Verantwortlichen haben am 2. Weihnachtstag beim festlichen Konzert in der Aloysiuskirche alles getan, um mögliche Gefahren abzuwenden und dafür vielen Menschen ein Erlebnis für die Seele geboten. Konzentrieren wir uns auf die Musik.

Dekanatskirchenmusiker Tobias Leschke hatte mit seinem Kammerchor ein weihnachtliches Programm unter Mitwirkung des Ensembles „Ghiribizzo“ und eines Gesangsquartetts zusammengestellt, das immer wieder die Freude über die Geburt Jesu und die damit verbundene Hoffnung und Zuversicht für die Menschheit thematisierte. So dienten zwei eingestreute Weihnachtslieder des zeitgenössischen englischen Komponisten John Rutter als musikalisch gefühlvolle und weihnachtlich angemessen „wohlklingende“ Einstimmung durch das Gesangsquartett (Merle Bader, So­pran; Anna Kristina Naechster, Sopran/Alt; Leonhard Reso, Tenor; Rafael Bruck, Bass/Bariton), die geschlossen im Zusammenklang und stimmlich fein abgestimmt, überzeugen konnten.

 

Geschlossener Gesamtklang

Unter anderem mit den chorischen und solistischen Einwürfen „O freudenvolle Zeit“ und „… nun ist groß‘ Fried ohn‘ Unterlass, all Fehd‘ hat nun eine Ende“ bringt Georg Philipp Telemann in seiner Weihnachtskantate „Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr“ nicht nur die Freude über Jesu Geburt, sondern auch die Zuversicht über eine Versöhnung mit Gott zum Ausdruck und rückt die Interpretation der Weihnachtsgeschichte als Heilsbotschaft ins Zentrum. Der Kammerchor des Pastoralverbundes führte mit einem geschlossenen Gesamtklang bei klarer Konturierung der Einzelstimmen die einrahmenden Choräle aus, während Bariton Rafael Bruck in dieser Kantate viel Raum gegeben wurde, in den Arien und Rezitativen seine trotz des verlangten großen Ambitus immer ausdrucksstarken und fundierten stimmlichen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Das Streichensemble „Ghiribizzo“ einschließlich des Orgelpositivs begleitete in ausgewogener akustischer Abstimmung äußerst zuverlässig und solide.

Das „Magnificat“, der „Lobgesang Marias“, ist als eines der drei Cantica des Lukas-Evangeliums nicht nur in der katholischen Liturgie fest verankert. Auch der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer bezeichnete es als das „leidenschaftlichste, wildeste, ja man möchte fast sagen revolutionärste Adventslied, das je gesungen worden ist“. Wegen seiner Bedeutung und intensiven Aussagekraft wurde das „Magnificat“ in der Musikgeschichte oft vertont. An diesem Abend erklang die Version des italienischen Barock-Komponisten Antonio Vivaldi – und diese geriet zum eindeutigen Höhepunkt des Konzerts. Entsprechend der textlichen Vorlage, die dankenswerterweise dem Publikum in einem Programmheft auch in deutscher Übersetzung zur Verfügung gestellt wurde, entwickelte Vivaldi ausgehend vom verhaltenen „Adagio“ des ersten Satzes in g-Moll über mehrere solistische Partien und den mit sehr unterschiedlichen musikalischen Mitteln gestalteten Chorsätzen eine Dramatik, die sich letztendlich im befreienden „Gloria Patri“ entlädt und versöhnlich im „Amen“ ausklingt. Der Chor hatte beachtliche Passagen mit imitierenden Einsätzen, chromatischen Linien, homophonen Strukturen, schnellen Läufen im Unisono bis hin zur Doppelfuge am Schluss zu meistern – und erledigte dies alles einwandfrei! Das abschließende, gemeinsam gesungene „O du fröhliche“ fasste die Emotionalität dieses besonderen Moments noch einmal zusammen und ging allen Beteiligten besonders unter die Haut.

 

Sozialer Kitt, der gerade jetztdringend benötigt wird

Musik hat unter anderem die Aufgabe, Menschen zusammenzuführen, zu trösten, aber auch Hoffnung zu verbreiten – Musik ist eben auch ein sozialer Kitt, der gerade in Krisenzeiten dringend benötigt wird und sowohl emotionale Bindungen zwischen den Menschen aufbaut als auch dem Individuum innere Kraft verleiht. All diese Aufgaben, und musikalisch natürlich noch viel mehr, hat dieses Weihnachtskonzert, trotz möglicher Bedenken und der aktuellen Diskussion bezüglich der pandemischen Gefahren, vortrefflich erfüllt.