Presse

Atemberaubende Orgelwerke in St. Aloysius

5. August, 2022

 

Dekanatskirchenmusiker Tobias Leschke eröffnete die diesjährige „Sommerklänge“-Reihe in der Iserlohner Pfarrkirche St. Aloysius mit einem fulminanten  Orgelkonzert.

Dekanatskirchenmusiker Tobias Leschke eröffnete die diesjährige „Sommerklänge“-Reihe in der Iserlohner Pfarrkirche St. Aloysius mit einem fulminanten  Orgelkonzert.

Foto: Hartmut Becker

Iserlohn.  Dekanatskirchenmusiker Tobias Leschke hat die Iserlohner „Sommerklänge“ mit einem fulminanten Konzert in der St.-Aloysius-Kirche eröffnet.

 

Was für ein fulminanter Auftakt der diesjährigen „Sommerklänge-Reihe“ in der St.-Aloysius-Kirche. Dorthin hatte am Dienstag Dekanatskirchenmusiker Tobias Leschke eingeladen.

Unter dem Motto: „Von Apokalypse bis Allegro – Man soll die Feste feiern, wie sie fallen“, präsentierte Leschke an der Orgel des Gotteshauses atemberaubende Werke klassischer und zeitgenössischer Komponisten. Sie hätten entweder in diesem Jahr einen „runden“ Geburtstag gefeiert, oder es gibt ein Gedenken an sie wegen eines besonderen Todestages.

Mit dem Stück „Entrée en forme de carillon“ von Théodore Dubois (1837-1924) setzte Tobias Leschke gleich zu Beginn ein erstes Ausrufezeichen. Das Stück beinhaltet ein kleines Glockenspiel, eingebettet in ein opulentes Beiwerk. Schon jetzt lässt sich erahnen, über welche Bandbreite die Orgel von St. Aloysius verfügt. Das dreimanualige Ins­trument (Hauptwerk, Rückpositiv, Schwellwerk) und die Pedale wurden in den Jahren 1924/1925 durch das Unternehmen A. Feith (Paderborn) gebaut und erfuhr 2005 eine Generalreinigung durch die Werler Orgelbaufirma F. Stockmann.

Immense Klangvielfalt ausgeschöpft

Auch das zweite Stück, „Sonate I, op. 65/1“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), dessen 175. Todestag sich 2022 jährt, fügt sich nahtlos an das aufrüttelnde und atemberaubende Werk von Dubois an. Tobias Leschke schöpft zwischen „Allegro moderato“ und „Allegro assai vivace“ die immense Klangvielfalt des Instrumentes aus.

 

Fast wie ein Fremdkörper wirkt die Komposition „Nach der Apokalyptik – Toccata und Vision“ des 1950 geborenen Komponisten Enjott Schneider. Er schrieb das Stück während der Corona-Pandemie. Auf den Zuhörer wirkt es fremd, Leise- und Lautpassagen wechseln sich mit scheinbaren Disharmonien ab und dokumentieren so die Unruhe, Unsicherheit und Zerrissenheit, die Corona über die Menschen brachte. Gleichwohl mündet das Stück in eine versöhnliche und harmonische Vision, dass die Menschheit es schafft, die Corona-Krise zu überwinden.

Vor 150 Jahren wurde die „Präludium und Fuge über den Namen B-A-C-H“ aus der Feder von Franz Liszt das erste Mal gedruckt. Liszt komponierte es für die Einweihung der renovierten Orgel des Merseburger Doms. Das Manuskript wurde jedoch erst nach dem Festkonzert fertig, die Erstausgabe erschien um 1859 in Holland. Heute wird das Werk vor allem in seiner zweiten Fassung von 1872 gespielt. Das gut zwölfminütige Stück überzeugt durch große formale Geschlossenheit und, releativ zum spieltechnischen Aufwand, überwältigende Dramaturgie, die alle klanglichen Facetten der Aloysius-Orgel zur Wirkung kommen lässt.

Oliver Messiaen (1908-1992) komponierte „IV. Prière du Christ montant vers son père, aus L’Ascension (Himmelfahrt)“. Das Stück besticht durch seine Spiritualität und lässt den Zuhörer viel Raum für eigene Interpretationen.

Heiteres Werk entlässt in lauen Sommerabend

Einen wahrhaft brillanten Schlusspunkt setzte Leschke mit „Allegro brilliante“ von Vicenzo Antonio Petrali (1832-1898). Das heitere Werk perlt wie ein leicht gekühlter Prosecco und ist bestens geeignet, um nach dem Konzertgenuss in einen lauen Sommerabend zu gehen und sich schon jetzt auf die zweite „Sommerklänge“-Veranstaltung zu freuen. Am Dienstag, 9. August, gastiert das Ensemble „Ruhrcharme“ in der Kirche St. Aloysius.


Iserlohner spenden nach “Kreuzigung der Ukraine”

22. März, 2022

Christopher Brauckmann, Vorgänger von Tobias Leschke als Kantor in Iserlohn, war am Sonntag mit seinem Bach-Chor aus Hagen in der Aloysius-Kirche zu Gast.

von Ralf Tiemann

ISERLOHN.  Der Bach-Chor Hagen erfreut das Publikum in der Iserlohner Aloysius-Kirche überraschend früh mit einer Passion. Das Konzert wurde umgewidmet.

Angesichts der aktuellen Weltlage vergisst man es fast. Es ist Fastenzeit. Und nach zwei Jahren Pandemie ist man beinahe schon komplett entwöhnt. Aber eigentlich gab es zu dieser Zeit des Jahres auch in Iserlohn immer große Passionsmusiken zu hören: Riesige und gewichtige Werke mit großem Chor, Orchester, Solisten und rappelvollen Kirchen, die die besondere Stimmung der Passion ergreifend und erhebend vermittelten.

Das war einmal, muss man auch in diesem inzwischen dritten Corona-Frühling leider sagen. Keiner der großen Iserlohner Chöre ist schon wieder so weit, überhaupt hat es nach wie vor seit Pandemiebeginn kaum ein richtiges Chorkonzert, so wie man es vorher kannte, gegeben.

Hagener Bach-Chor wollte schnell wieder auf die Bühne

Umso bemerkenswerter ist es, dass Dekanatskantor Tobias Leschke am Sonntag nicht wie in den Jahren zuvor, zu einem Solistenkonzert im coronagerechten Kleinformat, sondern tatsächlich zu einem Passionskonzert mit Chor einladen konnte. Der Bach-Chor Hagen war am Sonntagnachmittag in der Aloysius-Kirche zu Gast und hatte „The Crucifixion“ („Die Kreuzigung“) des englischen Komponisten John Stainer im Programm – was für eine Freude. Und auch das war ausgesprochen ergreifend und erhebend.

„Wir wollten unbedingt wieder raus und auf die Bühne“, sagt Christopher Brauckmann, Vorgänger von Tobias Leschke in Iserlohn und seit 2016 Leiter des Hagener Bach-Chores, im Gespräch. Natürlich habe auch dieser Chor in der Pandemie Federn gelassen. „Wir waren vor der Pandemie auf einem sehr guten Weg, qualitativ dahin zu kommen, wo ich mir den Chor vorstelle“, sagt Brauckmann. Corona habe auch ihn dann weit zurückgeworfen. Immer wieder neue und lange Probenpause, anvisierte und dann doch abgesagte Konzerte und die immer noch anhaltenden Inzidenzzahlen sind auch an diesem leistungsstarken Kammerchor nicht spurlos vorbeigegangen. Vorher hatte er mehr als 30 Sängerinnen und Sänger zur Verfügung. Jetzt war er mit 20 Kräften angereist.

Auch der Bach-Chor hat – wie die meisten anderen Chöre auch – erst im Februar wieder die ernstzunehmende Probenarbeit aufgenommen. Brauckmann zückte aber ein bereits gut bekanntes Werk zur Passion und brachte den Chor in wenige Wochen wieder in Form, um möglichst schnell wieder vor Publikum singen zu können.

Kollekte ging an die Iserlohner Flüchtlingshilfe der Kirche

Und das wurde vom Publikum in der gut besuchten Aloysius-Kirche mit großer Dankbarkeit und viel Beifall aufgenommen. Stainers romantische Vertonung der Passions-Geschichte ist ein eindringliches Werk, das mit vielen Solo-Passagen (hier sprang der Iserlohner Sänger Hanno Kreft für einen quarantänebedingt ausgefallenen Solisten ein), dramatischen Choreinwürfen, ruhig fließenden Chorälen und wunderbaren Hymnen im englischen Stil sehr vieles bietet. Von Tobias Leschke an der Orgel begleitet sang der Chor das Werk hoch oben auf der Empore und ließ es aus der Ferne auf das Publikum herunterrieseln.

Leschke widmete das Konzert aus aktuellem Anlass auch um. Normalerweise geht die Kollekte am Ausgang an die Förderung der Kirchenmusik in Iserlohn. „Wir erleben gerade auch eine Kreuzigung“, erklärte Leschke zu Beginn des Konzertes passend zum aufgeführten Werk – „die Kreuzigung der Ukraine“. Und so füllten sich am Ausgang die Spendenkörbe für die umfangreiche Flüchtlingshilfe, die unter dem Dach des katholischen Pastoralverbundes Iserlohn angelaufen ist .

 


Musikalische Andacht wird gern genutzt

25. Januar, 2022


Tobias Leschke greift alte Tradition auf

Von Hubert Schmalor
Iserlohn. Bisweilen wurde ja während der Pandemie auch einmal nach positiven Effekten der Corona- Einschränkungen gesucht, dabei stieß man unter anderem auf digitale Fortschritte im Schulbereich und die Ausdehnung des Homeoffices.
Eine Erscheinung dieser Zeit ist sicher auch das verstärkte Auftreten des Formats der „Musikalischen Andacht“. Der Not gehorchend, weil keine großangelegten Konzerte erlaubt waren, hat sich unter dem flexibleren Schirm gottesdienstähnlicher Veranstaltungen mit den „Musikalischen Andachten“ eine Möglichkeit entfaltet, zumindest in kleinen Besetzungen und unter deutlichem Einbezug von (Bibel-) Texten und unter Beachtung diverser Anlässe des Kirchenjahres auch konzertant aktiv zu bleiben. Dass dies durchaus Chancen bietet und man auch kreativ mit diesem „kleinen“ Format umgehen kann, hat Dekanats-kirchenmusiker TobiasLeschke in letzter Zeit des Öfteren
unter Beweis gestellt. „A ceremony of nine lessons and carols“ auf dem Programm. Nicht nur die Gemeindemitglieder, sondern auch externe Musikliebhaber nahmen diese Angebote in der Aloysiuskirche bisher dankend an. Mit dem Titel „A ceremony of nine lessons and carols“ griff Leschke am Sonntagabend die Tradition der anglikanischen Kirche auf, in der Weihnachtszeit einen Gottesdienst zu feiern, in dem neun biblische Lesungen im Mittel-punkt stehen und neun Lieder das Weihnachtsgeheimnis ausdeuten. In Anlehnung an die oft als Vorbild dienende Feier im King’s College in Cambridge begann das von Leschke kurzfristig statt des geplanten Projektchores zusammengestellte und geleitete Vokalquartett (Daria Burlak, Sopran, Eva Nesselrath, Alt, Leonardo Reso, Tenor, Hanno Kreft, Bass) mit dem traditionellen „Once in Royal David’s City“. Zwischen den dann vom starken Gesangs-quartett vorgetragenen weiteren acht englischen Weihnachtsliedern (Carols) hatten die Zuhörer die Gelegenheit, diese musikalischen Eindrücke mit den von Diakon Heinz-Rüdiger Lülff vorgetragenen biblischen wie auch literarischen Weihnachtstexten in Beziehung zu setzen. Begleitet wurde der, sicher aus abstimmungstechnischen Gründen von der Orgelempore aus agierende, Chor in dezenter Abstimmung und immer passender Registrierung auf der Orgel von Sebastian Freitag, ab März als Domorganist in Dresden tätig. Nach dem auch zur „Ceremony“
gehörenden „Vater unser“ und dem Segen setzte Freitag mit
der „Fanfare on Ps. 1“ des englischen Komponisten John Cook
einen feierlichen Schlusspunkt.


Der Wunsch nach Abstand ist derzeit groß

11. Januar, 2022

 

Beim Adventssingen in der Obersten Stadtkirche hatte die Evangelische Kantorei ihren bislang letzten Auftritt. Nun legt der Chor erst einmal eine Pause ein.

Beim Adventssingen in der Obersten Stadtkirche hatte die Evangelische Kantorei ihren bislang letzten Auftritt. Nun legt der Chor erst einmal eine Pause ein.

Foto: Michael May / IKZ

von Ralf Tiemann

Iserlohn.  Auch die großen Kirchenchöre legen angesichts der Omikron-Variante ein Pause ein

Theorie und Wirklichkeit können schon mal weit auseinandergehen – gerade in der Pandemie, wenn sich das Sicherheitsgefühl nicht mit den geltenden Bestimmungen deckt und eine Eigendynamik entwickelt. Vor allem in der Iserlohner Chorszene können davon viele ein Lied singen.

Proben sind derzeit grundsätzlich erlaubt, die Kontaktbeschränkungen auf lediglich zehn Personen gelten nur im privaten Rahmen. Chöre dürfen sich also treffen, insofern sie die 2G-Plus-Regel einhalten, wobei dies hier in NRW die Booster-Impfung ähnlich wie beim Hallensport nicht ersetzt. Wer also singen möchte, muss doppelt geimpft oder genesen sein und zusätzlich ein offizielles und aktuelles Schnelltest-Ergebnis mitbringen. Dann steht einer Probe nichts im Wege.

Soweit die Theorie, die Praxis sieht anders aus. Denn die allermeisten Chöre singen derzeit nicht. Sogar die beiden Iserlohner Kantoren Hanns-Peter Springer und Tobias Leschke – die in der Advents- und Weihnachtszeit noch frisch vorangeschritten sind, dabei deutlich weiter gegangen sind als die meisten anderen Chöre und vieles noch ermöglicht haben, was andernorts längst abgesagt worden war – legen nun mit ihren Kirchenchören erst einmal eine Pause ein. „Momentan ist das einfach nicht machbar“, sagt Tobias Leschke, der im Januar gerne wieder zu seinem großen nachweihnachtlichen Chorprojekt Projektchor „A ceremony of nine lessons and carols“ eingeladen hätte, das aber nun abgesagt hat. „Die Zahlen explodieren und die Absagen häufen sich“, sagt er. Viertelstündlich riefen die Leute an um sich abzumelden, von einstmals 60 angemeldeten Sängerinnen und Sängern waren gestern noch rund 30 übrig. „Es ist besser, momentan nichts zu machen“, sagt der katholische Kirchenmusiker und setzt vorerst auch die wöchentlichen Proben seiner festen Chöre aus.

Zwickmühle zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Im Gespräch bestätigt er den Eindruck, dass man sich als Chorleiter geradezu in einer Zwickmühle befinde. Natürlich will man so viel wie möglich realisieren und das Erlaubte ausreizen. Wer aber seine Proben und Projekte durchzieht, kann auch schnell Kopfschütteln ernten. Der Wunsch nach Abstand sei derzeit bei vielen größer als der Wunsch zu singen.

Das empfindet Hanns-Peter Springer ganz ähnlich, der vor Weihnachten konzertant mit der Evangelischen Kantorei oder in Form von Offenem Singen mit der Gemeinde noch sehr aktiv war, nun aber auch die Präsenzproben erst einmal aussetzt. „Omikron ist derart ansteckend und macht auch vor der Booster-Impfung nicht Halt“, sagt er. Und auch wenn die Verläufe größtenteils nur leicht seien, möchte er das Lutherhaus bei den Proben nicht zum Ansteckungsherd machen. Nach Weihnachten sei der Informationsfluss noch nicht wieder in Gang gekommen, mit vielen Kollegen habe er noch nicht sprechen können und auch von der Landeskirche gebe es noch keine Maßgabe. Für sich habe er aber entschieden, zunächst zu pausieren und abzuwarten. Auch das weitere Vorgehen in der Kinder- und Jugendkantorei sei noch unklar. An diesem Mittwoch sind die Kinderchöre als Sternsinger in der Innenstadt unterwegs, um in einem ganz neuen Format einen „Segen to go“ zu spenden. Wie es danach weitergeht, wird sich dann zeigen.

Gerade mit Blick auf die Kinder und Jugendlichen und dem hohen Wert für die Bildung hatte die Landeskirche die Kirchenmusiker vor Weihnachten noch sehr beflügelt und ermuntert, weiterzumachen. Und gerne blicken die Iserlohner Kirchenmusiker auf diese Zeit zurück. In der katholischen Aloysius-Kirche hatte es bekanntlich ein Konzert mit dem Kammerchor des Pastoralverbundes und einen Heilig-Abend-Festgottesdienst mit viel Chorgesang gegeben. „Das war wunderschön“, sagt Tobias Leschke. Unter den gegebenen Umständen habe man das beste herausgeholt. Und auch Hans-Peter Springer behält die Adventszeit mit vielen Auftritten und Aktionen in der zugigen Obersten Stadtkirche oder unter freiem Himmel in guter Erinnerung.

„Dass wir das hatten, war ein Lichtblick und offenes Portal, das nicht nur die Mängel, sondern die Möglichkeiten gezeigt hat“, sagt er. Und das auch für die Zukunft positiv stimme. Derzeit fühle man sich von Omikron zwar geradezu überrannt. Auf lange Sicht habe er aber große Hoffnungen, dass es wieder bergauf geht.


Vivaldis “Magnificat” als Höhepunkt

29. Dezember, 2021
In der St.-Aloysius-Kirche erlebten die Besucherinnen und Besucher ein besonderes Weihnachts-Fest-Konzert

In der St.-Aloysius-Kirche erlebten die Besucherinnen und Besucher ein besonderes Weihnachts-Fest-Konzert

Foto: Dennis Echtermann

Iserlohn.  In der Iserlohner Aloysiuskirche gab es ein besonderes Festkonzert.

Gerade am Fest des Friedens, an Weihnachten, sollten Unstimmigkeiten einmal beiseite gelegt werden. Und so ist es müßig, darüber zu streiten, ob man derzeit angesichts der pandemischen Entwicklung ein Weihnachtskonzert in „Präsenz“, also vor Ort, aufführen sollte, und dazu noch ein Konzert unter Beteiligung eines Chores. Lassen wir es also dabei: Die Verantwortlichen haben am 2. Weihnachtstag beim festlichen Konzert in der Aloysiuskirche alles getan, um mögliche Gefahren abzuwenden und dafür vielen Menschen ein Erlebnis für die Seele geboten. Konzentrieren wir uns auf die Musik.

Dekanatskirchenmusiker Tobias Leschke hatte mit seinem Kammerchor ein weihnachtliches Programm unter Mitwirkung des Ensembles „Ghiribizzo“ und eines Gesangsquartetts zusammengestellt, das immer wieder die Freude über die Geburt Jesu und die damit verbundene Hoffnung und Zuversicht für die Menschheit thematisierte. So dienten zwei eingestreute Weihnachtslieder des zeitgenössischen englischen Komponisten John Rutter als musikalisch gefühlvolle und weihnachtlich angemessen „wohlklingende“ Einstimmung durch das Gesangsquartett (Merle Bader, So­pran; Anna Kristina Naechster, Sopran/Alt; Leonhard Reso, Tenor; Rafael Bruck, Bass/Bariton), die geschlossen im Zusammenklang und stimmlich fein abgestimmt, überzeugen konnten.

 

Geschlossener Gesamtklang

Unter anderem mit den chorischen und solistischen Einwürfen „O freudenvolle Zeit“ und „… nun ist groß‘ Fried ohn‘ Unterlass, all Fehd‘ hat nun eine Ende“ bringt Georg Philipp Telemann in seiner Weihnachtskantate „Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr“ nicht nur die Freude über Jesu Geburt, sondern auch die Zuversicht über eine Versöhnung mit Gott zum Ausdruck und rückt die Interpretation der Weihnachtsgeschichte als Heilsbotschaft ins Zentrum. Der Kammerchor des Pastoralverbundes führte mit einem geschlossenen Gesamtklang bei klarer Konturierung der Einzelstimmen die einrahmenden Choräle aus, während Bariton Rafael Bruck in dieser Kantate viel Raum gegeben wurde, in den Arien und Rezitativen seine trotz des verlangten großen Ambitus immer ausdrucksstarken und fundierten stimmlichen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Das Streichensemble „Ghiribizzo“ einschließlich des Orgelpositivs begleitete in ausgewogener akustischer Abstimmung äußerst zuverlässig und solide.

Das „Magnificat“, der „Lobgesang Marias“, ist als eines der drei Cantica des Lukas-Evangeliums nicht nur in der katholischen Liturgie fest verankert. Auch der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer bezeichnete es als das „leidenschaftlichste, wildeste, ja man möchte fast sagen revolutionärste Adventslied, das je gesungen worden ist“. Wegen seiner Bedeutung und intensiven Aussagekraft wurde das „Magnificat“ in der Musikgeschichte oft vertont. An diesem Abend erklang die Version des italienischen Barock-Komponisten Antonio Vivaldi – und diese geriet zum eindeutigen Höhepunkt des Konzerts. Entsprechend der textlichen Vorlage, die dankenswerterweise dem Publikum in einem Programmheft auch in deutscher Übersetzung zur Verfügung gestellt wurde, entwickelte Vivaldi ausgehend vom verhaltenen „Adagio“ des ersten Satzes in g-Moll über mehrere solistische Partien und den mit sehr unterschiedlichen musikalischen Mitteln gestalteten Chorsätzen eine Dramatik, die sich letztendlich im befreienden „Gloria Patri“ entlädt und versöhnlich im „Amen“ ausklingt. Der Chor hatte beachtliche Passagen mit imitierenden Einsätzen, chromatischen Linien, homophonen Strukturen, schnellen Läufen im Unisono bis hin zur Doppelfuge am Schluss zu meistern – und erledigte dies alles einwandfrei! Das abschließende, gemeinsam gesungene „O du fröhliche“ fasste die Emotionalität dieses besonderen Moments noch einmal zusammen und ging allen Beteiligten besonders unter die Haut.

 

Sozialer Kitt, der gerade jetztdringend benötigt wird

Musik hat unter anderem die Aufgabe, Menschen zusammenzuführen, zu trösten, aber auch Hoffnung zu verbreiten – Musik ist eben auch ein sozialer Kitt, der gerade in Krisenzeiten dringend benötigt wird und sowohl emotionale Bindungen zwischen den Menschen aufbaut als auch dem Individuum innere Kraft verleiht. All diese Aufgaben, und musikalisch natürlich noch viel mehr, hat dieses Weihnachtskonzert, trotz möglicher Bedenken und der aktuellen Diskussion bezüglich der pandemischen Gefahren, vortrefflich erfüllt.


Beflügelter Ausklang des Kirchenjahres in Iserlohn

24. November, 2021
 
Konzert Beflügelt, Pankratius-Forum

Foto: Ralf Tiemann / IKZ

Iserlohn.  Anna Dorothea Mutterer und Timo Böcking bieten im Pankratius-Forum eine wunderbare Stunde Musik.

Der Totensonntag bestimmt die Stimmung im protestantisch geprägten Deutschland – keine Frage. Die katholische Kirche begeht das Ende Kirchenjahres aber eigentlich ganz anders: Christ König heißt der Festsonntag, an dem die Katholiken die Herrschaft Christi über das gesamte Weltall feiern – also alles andere als ein Tag der Trauer.

Genau so gingen Anna Dorothea Mutterer und Timo Böcking auch ihr Programm „Beflügelt“ am Samstagabend im Pankratius Forum an der Aloysius-Kirche an: Locker, fröhlich und frei boten die beiden hinreißenden Musiker einen wirklich bunten Strauß an überaus geschmackvollen Liedbearbeitungen für Geige und Klavier, ein abwechslungsreicher Mix aus Kirchenmusik, Pop-Songs und Jazz, stilvoll und ungeheuer facettenreich arrangiert, streckenweise auch frei improvisiert. Da standen Lieder wie „Imagine“ oder „Summertime“ neben alten Chorälen von Paul Gerhardt und – passend zum Christkönigfest – Loblieder aus dem Gesangbuch auf dem Programm. Anna Dorothea Mutterer spielte als einer der Höhepunkte Bachs Solo-Chaconne allein auf der Violine, Böcking ließ seiner Fantasie über den „Corona-Hit“ „Der Mond ist aufgegangen“ freien Lauf und zusammen. Beide bestachen  durch perfektes Zusammenspiel und blindes Verständnis: eine wunderbare Stunde Musik, die wirklich beflügelte.

Apropos Corona – auch dazu passte der Titel. Denn, wie Timo Böcking sagte, seien Musiker gar nichts ohne ihr Publikum und ohne Veranstalter, die sie trotz der immer weiter unsicheren Pandemie-Situation einladen und weiter Konzerte planen. Tobias Leschke, Kantor an St. Alyosius, ist bekanntlich jemand, der das ganz besonders unermüdlich macht. Und dafür galt ihm am Samstag auch der Dank der beiden Musiker vorne auf der Bühne.

Das nächste Konzert folgt bereits am kommenden Wochenende: Am Samstag, 28. November, um 17 Uhr lädt der Organist Simon Daubhäußer zu einer musikalischen Andacht zum ersten Advent in die St.-Aloysius-Kirche ein.


Sanfter Ausklang für Reihe in Iserlohner Kirche

16. November, 2021

Iserlohn.  Für das „Amadeus Guitar Duo“ war es der erste Auftritte seit Oktober 2020

Auch wenn es bereits das fünfte Konzert in der Reihe nach dem Lockdown war, wie Kantor Tobias Leschke später erzählt – es fühlt sich immer noch merkwürdig an, wieder Live-Musik, wie am Sonntag in der St. Aloysius-Kirche, genießen zu können.

Das „Amadeus Guitar Duo“ bescherte den fast 70 Zuhörenden dabei mit der gewohnten Spielfreude einen sanften Ausklang aus der Reihe. Für Dale Kavanagh und Thomas Kirchhoff war es das erste gemeinsame Live-Konzert seit Oktober 2020. Und eigentlich eines, das einst für den Valentinstag angedacht gewesen war, wie Leschke bei der Einführung der Musiker erzählte. „Kontraste – Barock – 20. Jahrhundert“, so lautete der Titel des Konzerts des Duos. Auf dem Programm standen vier Stücke von Händel, Borodin, Jolivet/Bach sowie eine Eigenkomposition von Dale Kavanagh – allesamt mit der Liebe als Oberthema. Zwischendurch gab es Textauszüge aus dem „hohen Lied der Liebe“ aus dem Korinther-Brief.

 

„Wir versuchen, die Musik lebendig zu halten“, erklärte Leschke noch den Ursprung der Reihe. Der Lockdown sei auch für die Musik eine harte Zeit, die hoffentlich bald enden werde. Weiter gehen soll es musikalisch unter anderem im August. Im Rahmen der „Sommerklänge“ stehen dann fünf Konzerte an – so denn Corona es zulässt. Den Auftakt in St. Aloysius wollen am 3. August Leschke selbst und Sebastian Freitag vierhändig an der Orgel machen.


Gemeinsam die Iserlohner Kirche neu gestalten

13. November, 2021

Im Einführungsgottesdienst betonte der neue Pfarrer Dietmar Schulte, dass „Einheit in der Vielfalt“ kein Widerspruch ist.

„Es gibt ganz große Herausforderungen, denen ich mich aber nicht zuletzt im Vertrauen auf Gott gerne stelle und die wir alle nur gemeinsam bewältigen können.“ Mit diesen Worten lud Dietmar Schulte als neuer Pfarrer der Pan­kratius-Gemeinde und Leiter des Pastoralverbundes Iserlohn dazu ein, gemeinsam mit dem Pastoralteam „die Kirche von Iserlohn, von Sümmern, Hennen und Kalthof neu zu gestalten“.

In seiner Predigt in dem festlichen Gottesdienst, in dem der 44-Jährige am Sonntag in der St.-Aloysius-Kirche offiziell in seine Ämter eingeführt wurde, hatte Schulte zuvor auf die Unterschiede im Pastoralverbund hingewiesen: Hier die Pankratius-Gemeinde mit ihren sechs Kirchen (St. Aloysius, Heilig Geist, Hl. Dreifaltigkeit, St. Hedwig, St. Michael und St. Josef), in denen leider „vieles an Gemeindeleben nicht mehr funktioniere“ und zudem wie überall durch Corona vieles nicht mehr stattfinden durfte: „Wir wissen noch nicht, was wir davon jetzt wieder neu reaktivieren können.“ Dort die Pfarrei und Pfarrvikarie im Iserlohner Norden, Sümmern, Hennen und Kalthof „mit ihrer je eigenen Geschichte“. „Auf dem Dorf funktioniert noch so manches, was in der Anonymität der Stadt nicht mehr funktioniert.“ Als „stolzer Dörfler“, und da sprach der aus Neuenrade-Affeln Stammende aus eigener Erfahrung, versuche man auch, das „kirchliche Leben, so lange es noch geht, gut zu erhalten“.

In Gemeinden müsse über „Mittelwege“ geredet werden

An der Stelle kommt für Schulte der Gedanke von der Kirche als „Gemeinschaft der Einheit in der Vielfalt“. „Wir müssen nicht alles vereinheitlichen. Es darf Unterschiede geben.“ Gleichwohl müsse man sich aber auch fragen, wo es Sinn mache, dass Dinge gleich laufen. „Einheit in der Vielfalt muss sich nicht widersprechen. Beides kann sich ergänzen.“ Als Beispiel nannte Schulte die Erstkommunion- und Firmvorbereitung, wo es zwischen einem Konzept für alle und eigenen in den Gemeinden auch „Mittelwege“ geben könne. „Darüber muss man reden.“ Dabei müsse alles natürlich mit den zur Verfügung stehenden Kräften des Pastoralteams machbar sein. „Im Fokus müssen dabei immer die Kinder und Jugendlichen stehen, für die wir das ja alles tun, nicht unser eigener Kirchturm.“

In den 18 Jahren seit seiner Priesterweihe habe er miterleben müssen, wie sich die Kirche „massiv verändert“ habe. In seiner Kindheit und Jugend in den achtziger Jahren hatte jedes Dorf noch seinen eigenen Pastor. „Und selbst während meiner vier Jahre als Vikar in Letmathe hatten wir noch genügend Priester, und auch jede Gemeinde in Iserlohn seinen eigenen.“ Auch wenn Pastor Josef Slowik ab November mit einer halben Stelle dazu komme – die andere Hälfte ist für die Krankenhaus-Seelsorge vorgesehen –, so seien sie künftig insgesamt eben nur vier Pastöre für den gesamten Verbund mit seinen knapp 18.000 Gläubigen.

 

Angesichts der weiter abnehmenden Zahl an Priestern und Gemeindereferenten frage er sich selber immer wieder, wo das enden solle. Es helfe dabei nicht, „mit aller Kraft zu versuchen, das Alte, so gut es geht, noch zu bewahren. Wir müssen alle zusammen unsere Kirche neu denken.“ Angesichts auch immer weniger Finanzmittel werde man sich auch „schmerzliche Fragen“ stellen müssen: „Was können wir uns noch leisten? Was brauchen wir noch?“ Glaube und Religion würden eben bei den Menschen „mehr und mehr eine untergeordnete Rolle“ spielen. Angesichts der Zahl der Austritte müsse sich die Kirche natürlich auch selber fragen, was sie alles falsch gemacht habe. „Die ganzen Skandale der letzten Jahre zeigen natürlich: Da muss sich was tun.“

Das eigentliche Problem sei aber die Säkularisierung der Gesellschaft, die entsprechend auch die evangelische Kirche zu spüren bekomme. „Ich glaube, dass erst dann, wenn die Frage nach Gott und die Suche nach ihm wieder stärker wird, wir als Kirche wieder wachsen können.“ Vielleicht müsse sich die Kirche zuvor auch erst „gesundschrumpfen“. Schulte betonte auch die Bedeutung der Laien in der Kirche, die auch schon dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) bewusst gewesen sei, als es feststellte, „dass wir alle Kirche sind“.

Dechant Andreas Schulte freute sich indes, sich mit der Amtseinführung, also dem offiziellen Anvertrauen der Gemeinden und der Leitung des Pastoralverbundes im Namen von Erzbischof Hans-Josef Becker, für seine eigene Amtseinführung durch Pfarrer Schulte vor einigen Wochen „revanchieren“ zu können. Zumal sich die beiden schon lange kennen: So war der heutige Dechant früher Pfarrer in St. Lambertus, der Heimatgemeinde von Dietmar Schulte, und hat dessen Schritte zum Priester miterlebt. Nach seiner Zeit in Letma­the und weiteren drei Jahren als Vikar in Kirchhundem hatte Schulte dann in der Heimatstadt des Dechanten, in Neheim, sieben Jahre lang gewirkt und als Pastor dort auch die Fusion von fünf Kirchengemeinden begleitet. Für den gleichen Prozess war Dietmar Schulte dann in den vergangenen vier Jahren ja in Hemer sogar verantwortlich, wo bekanntlich zum 1. Mai aus ebenfalls fünf Gemeinden die St.-Vitus-Gemeinde entstand.

Dass Pfarrer Schulte in seiner Predigt einiges „sehr kritisch“ angemerkt und „die aktuelle Situation der Kirche ungeschminkt beschrieben“ habe, hob Vizebürgermeister Thorsten Schick in seinem Grußwort hervor. Der Christdemokrat zeigte sich ebenfalls davon überzeugt, dass „Kirche auch in Zukunft ein ganz wichtiger Faktor“ sein werde. Denn mit Blick auf „die so vielen Katastrophen“ in 2020 und ‘21 seien die Antworten, die Kirche und ihre Vertreter geben könnten, nach wie vor wichtig. „Deswegen ist mir auch auf lange Sicht nicht um die Institution bange.“

Pfarrer Schulte freute sich indes sehr über die gelungene musikalische Begleitung des Gottesdienstes durch den „Jungen Chor im Pastoralverbund“ unter Leitung von Tobias Leschke sowie ein fünfköpfiges Trompeten-Ensemble (Leitung: Stefan Beumers). Schulte bedauerte, dass die Kirche nicht ein wenig voller war: „Eine Einführung in dieser Corona-Zeit ist immer ein bisschen schwierig. Man weiß nicht genau, wie man es am besten macht. Wir hatten diverse Einladungen verschickt und gehofft, dass noch ein paar mehr kommen.“ Auch wenn die maximale Kapazität von 120 Besuchern nur zu zwei Dritteln genutzt worden war, war der Pfarrer froh, dass zumindest Vertreter jeder Gemeinde und verschiedener Einrichtungen gekommen waren. Und Schulte freute sich schon sehr darauf, in nächster Zeit viele weitere Menschen aus dem Pastoralverbund persönlich kennenzulernen.


Dreiklang der Kirchen in Harmonie

15. Juni, 2021

Führungen, einen Spaziergang und vor allem viel Musik bot am Sonntag der Westfälische Orgeltag, der in Iserlohn erstmals ökumenisch veranstaltet wurde

Besondere Kirche, besondere Führung: Hanns-Peter Springer erläutert dem zehnjährigen Pascal und seiner Mutter, die auf der Empore stehen, Besonderheiten der Reformierten Kirche.  Tim Gelewski

Tim Gelewski

Kantor Tobias Leschke griff diesmal in der Obersten Stadtkirche in die Tasten.  Privat

Iserlohn So klingt dann wohl Ökumene: Im Rahmen des Westfälischen Orgeltages stand am Sonntag vor allem in der Innenstadt alles im Zeichen dieses besonderen Musikinstruments. Die Evangelische Kirche von Westfalen hatte gemeinsam mit den drei katholischen Bistümern und zahlreichen Partnern zu rund 120 Veranstaltungen eingeladen. Trotz aller Einschränkungen durch das Coronavirus sollte der Tag so weit wie möglich in Präsenz stattfinden.

In Iserlohn standen am Sonntag Orgelführungen in der Reformierten Kirche und ein Orgelspaziergang mit Andachten und den Stationen St. Aloysius, Oberster Stadtkirche und Bauernkirche auf dem Programm. „Wir haben gemerkt, dass das ökumenische Format funktioniert“, erklärt später Dekanatskator Tobias Leschke, der im Rahmen der Ökumene nicht wie gewohnt in St. Aloysius, sondern in der Obersten Stadtkirche in die Tasten griff. Einzig die Uhrzeit 15.30 Uhr für den Auftakt habe sich als überdenkenswert erwiesen. Waren es an Station zwei in der Obersten Stadtkirche gut 45 Besucher und zum Abschluss in der Bauernkirche etwa 60, waren es in St. Aloysius noch einige weniger gewesen. „Die Planung steht im Grunde seit drei Jahren. Da wussten wir noch nichts von Corona oder dass die EM verschoben wird“, nennt er mögliche Gründe. Nichtsdestotrotz sagt er: „Die Grundidee hat funktioniert.“

Die drei Stationen des Spaziergangs zwischen den fußläufig nur wenige Minuten voneinander entfernten Kirchen hatten dabei jeweils einen eigenen musikalischen und textlichen Schwerpunkt. Schöpfung, die Orgel singt, Glocke – so lautete hier der thematische Dreiklang, an Station drei gestaltet von Ute Springer und an Station eins von ihrem Mann Hanns-Peter Springer.

Letztgenannter war es auch, der bereits am Mittag vor dem Auftakt der Spaziergänge Führungen (mit Anmeldung) in der Reformierten Kirche anbot. „Entweder fasziniert die Besucher die Technik, oder die Musik, oder beides“, ist er sicher.

Ähnlich sieht das wohl auch Julia Heller, die mit ihrem zehnjährigen Sohn Pascal gekommen ist. „Ich unterrichte musikalische Früherziehung, er ist sowieso zuhause immer von Musik umgeben“, begründet sie ihren Besuch. Wobei Pascal vor allem die Technik und die schiere Größe des Instruments zu begeistern scheine. „Um die 1000 Pfeifen hat die Orgel“, erklärt Springer, zudem auch einiges Überraschendes: „Die, die man vorne sieht, klingen überhaupt nicht.“ Die Erbauer des Instruments hatten offenkundig nicht nur den Klang im Ohr, sondern auch die Optik im Auge.

„Wir wollten zeigen, wie vielfältig die Orgel ist“

Ein Höhepunkt vor allem für Pascal ist dann Springers Erläuterung des Kalkanten-Begriffs. Bevor es nämlich Elektromotoren gab, mussten zumeist junge Männer die Luft mittels eines Blasebalgs in die Orgel befördern. „Bis zu 16 Personen waren für 50 Register nötig“, erklärt Springer. Und schaltet den Motor ab, damit Pascal und seine Mutter selbst Hand anlegen dürfen – allerdings nur für ein Register, sonst wäre das womöglich doch zu schwierig.

„Wir wollten einfach zeigen, wie vielfältig die Orgel ist. Musikalisch, architektonisch, handwerklich – ein musikalisches Kunstwerk“, erläutert Kantorin Ute Springer noch allgemein die Intention der Planungen des Orgeltages, der nach 2018 zum zweiten Mal und erstmals ökumenisch stattfand. Dies dürfte wohl gelungen sein.