Iserlohn. „Magnificat“-Kammerchorkonzert der Extraklasse unter der Leitung von Dekanatskirchenmusiker Tobias Leschke begeistert in St. Aloysius in Iserlohn.
Von Hubert Schmalor
Zurzeit ist die Stelle des Dekanatskirchenmusikers/der Dekanatskirchenmusikerin (m/w/d) vakant.
Hier ist im Folgenden der Link zur Stellenausschreibung als Dekanatskirchenmusiker/in im Dekanat Märkisches Sauerland (Pastoraler Raum Iserlohn) des Erzbistums Paderborn:
→ Stellenausschreibung
Der Besuch war überwältigend: Eine nahezu volle Aloysius-Kirche erlebt man nur selten. Der Abschied von Tobias Leschke als Iserlohner Dekanatskantor und sein letztes festliches Weihnachtskonzert, das am zweiten Weihnachtstag somit den Charakter eines Abschiedskonzertes bekam, hatten aber für einen ungewöhnlich hohen Zulauf gesorgt.
Dementsprechend überwältigend war auch das Finale dieses Konzertes, als alle Sängerinnen und Sänger der Chöre des Pastoralverbundes gemeinsam mit der riesigen Gemeinde und begleitet von dem Streicher-Ensemble „Ghiribizzo“ „Stille Nacht“ anstimmten. Einen so kräftigen und andächtigen Gesang hat man in Iserlohn vermutlich in diesem Jahr nirgendwo sonst gehört. Das war wirklich ein Weihnachtsmoment der besonderen Art, in dessen Mittelpunkt Tobias Leschke stand, der Gemeinde, Chor und Streicher mit großen Bewegungen zusammenhielt und diesen Moment mit einem breiten Lachen genoss. Danach brach tosender Applaus und Jubel los, den der scheidende Kantor durchaus persönlich nehmen durfte.

Zuvor gab es das versprochene „Weihnachts-Best-of“-Programm mit allen Chören und Ensembles, die die Iserlohner „Musica Sacra“ zu bieten hat – von der Choralschola bis zum Chor „ChantIs“ und vom Kammerchor bis zum „Collegium Vocale“, A-capella oder begleitet vom Orchester, teilweise in allen Stilen von der Gregorianik über Barock-Musik bis in die französische Romantik und den ganzen Raum der Kirche nutzend. Auch Instrumentalmusik mit Trompeter Martin Schröder war zu hören, eine Arie aus Bach Weihnachts-Oratorium mit Bassist Hanno Kreft als Solist und natürlich viele Weihnachtslieder, begleitet von Felicia Meyerrafken an der Orgel. Bis hin zu diesem fulminanten und gleichzeitig besinnlichen Finale bei „Stille Nacht“, das die Besucher von den Sitzen riss.
Das Konzert hat einmal mehr gezeigt, in welchem Maße die Kirchenmusik auf katholischer Seite in den vergangenen Jahren aufgeblüht ist – seit 2008 von Null zu einer solchen Pracht, woran Leschke in den sieben Jahren seiner Amtszeit großen Anteil hatte. Er dankte zum Abschied für die vielfältige Unterstützung im Pastoralen Raum – ganz ausdrücklich auch Pfarrer Dietmar Schulte für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und den „maximalen Freiraum für die Musik“.
Es ist zu hoffen und dringend notwendig, dass diese Arbeit auch zukünftig weitergeführt wird und in guten Händen liegt – was derzeit nicht sicher ist. Denn das der- oder diejenige, die zukünftig die Musik weiterentwickelt und am Ende auch solche festlichen Konzerte auf die Bühne bringt, wurde noch nicht gefunden. Wie bereits berichtet konnte Leschkes Stelle bisher nicht wiederbesetzt werden und bleibt zunächst vakant. Das „Ein letztes Mal“, das er in seiner Begrüßung als Tageslosung ausgab, stimmte von daher nur zu Hälfte. Ein solches Konzertspektakel wie am Freitag wird er vermutlich tatsächlich nicht noch einmal in Iserlohn aufführen. Die Pflege der verschiedenen Chöre werden er und Hanno Kreft aber kommissarisch weiter übernehmen. Als angehender Fachbereichsleiter für Kirchenmusik im Bistum Paderborn stimme ihn diese Entwicklung traurig. „Als Tobias Leschke freue ich mich aber darauf, weiterhin in Iserlohn tätig zu sein.“
Quelle: https://www.ikz-online.de/lokales/iserlohn/article410807983/tobias-leschke-reisst-das-publikum-von-den-sitzen-zum-letzten-mal-in-iserlohn.html
(zuletzt: 03.01.2026)
Von Christian Otterstein,

Größer können die Kontraste nicht sein: Wurde noch drei Tage zuvor die große Aloysius-Kirche in Iserlohn durch den mächtigen Bläsersound des Landespolizeiorchesters NRW in ihren Grundfesten erschüttert, so erlebte man am Sonntag fünfzig Meter entfernt im Forum St. Pankratius ein intimes, kammermusikalisches Konzert, welches sich als absolutes Highlight für musikalische Feinschmecker herausstellte. Ein Liederabend mit Weihnachtsliedern stellt eine enorme Bereicherung der zahlreichen Weihnachtsprogramme dar, zumal, wenn sie auf einem künstlerisch derart hohen Niveau daherkommen.
Hanno Kreft, studierter Konzertsänger, Chorleiter und Stimmbildner im Pastoralverbund, hatte sich wunderbare Klavierlieder mit weihnachtlichem Bezug herausgesucht. Neben bekannten Klassikern wie „White Christmas“ und „The first Noel“, gab es eine Vielzahl von Neuentdeckungen, die im gängigen Repertoire kaum zu finden sind. Der Eröffnungsteil gehörte noch vertrauten Repertoirestücken wie den beliebten Weihnachtsliedern von Peter Cornelius, deren romantische, volkstümliche Tonsprache die Zuhörer sofort in entsprechende Stimmung versetzte. Das berühmte „Die Könige“ kombinierte auf geniale Weise die Erzählung von der Reise der Heiligen Drei Könige mit dem Choral „Wie schön leuchtet der Morgenstern“, welcher zu einer völlig anderen gesungenen Melodie in der Klavierbegleitung auftauchte.
Bachs Weihnachtshit „Ich steh an Deiner Krippen hier“ leitete dann über zu drei Weihnachtsliedern von Engelbert Humperdinck (1854-1921) der mit seiner Oper „Hänsel und Gretel“ den wohl größten weihnachtlichen Bühnenklassiker komponiert hat. Ähnlich wie Cornelius bedient er sich einer volkstümlichen Tonsprache. Hanno Kreft bewies hierbei sein großes stimmliches Spektrum: Von den mächtigen Fortepassagen in „Der Stern von Bethlehem“ über das zurückhaltende, im kultivierten Mezzavoce vorgetragene „Christkindleins Wiegenlied“ bis hin zum locker fröhlichen „Altdeutschen Wiegenlied“ zog er souverän alle nötigen Stimmregister.
Musikalische Juwelen aus dem Schatzkästlein kaum bekannter Komponisten wie Arnold Cooke (1906 -2005), Vincente Emilio Sojo (1887-1974) oder des Niederländers Jan Wolters überraschten und begeisterten die Zuhörer stets aufs Neue und Tobias Leschke am Klavier erwies sich als kongenialer Begleiter, der nicht nur menschlich, sondern auch musikalisch perfekt mit Hanno Kreft harmonierte.
Es würde den Rahmen sprengen, jedes einzelne Lied zu würdigen, jedoch sollten die Beiträge der skandinavischen Komponisten wie Edvard Grieg und Jean Sibelius nicht unerwähnt bleiben. Im „Weihnachtswiegenlied“ von Edvard Grieg ließ die Chromatik innerhalb der Melodie aufhorchen, die der weihnachtlichen Vorfreude fast ein wenig Vorahnung der Passionsgeschichte beimischte.
Quelle: https://www.ikz-online.de/lokales/iserlohn/article410714265/iserlohn-intimes-weihnachtskonzert-mit-klassikern-und-entdeckungen.html
(zuletzt: 03.01.2026)
Iserlohn. Eine gewaltige Aufführung von Mendelssohns „Elias“ in Iserlohn rührt am 9. November das Publikum – doch was macht dieses Werk so zeitlos?
Von Hubert Schmalor, 11.11.2025
Großartig, mitreißend und erschütternd zugleich – das Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy fesselte das Publikum in der Aloysiuskirche in Iserlohn in einer denkwürdigen, in vielerlei Hinsicht überwältigenden Aufführung. Ein passender Termin: der 9. November, jener Tag, der zugleich an die Reichspogromnacht, den Mauerfall, den Hitlerputsch und die Novemberrevolution erinnert.
Mendelssohn hatte sein Oratorium für „recht dicke, starke, volle Chöre“ komponiert – und solche standen ihm in der Romantik mit den damals zahlreich aufgekommenen großen Singvereinen mit hunderten Sängern tatsächlich zur Verfügung. Diesem Ideal kam die Aufführung in Iserlohn beeindruckend nahe: Über 120 Sängerinnen und Sänger aus den Chören der Musica Sacra (Iserlohn), der Ars Musica St. Vincenz (Menden) und dem Kirchenchor St. Blasius (Balve) vereinten sich auf Initiative ihrer Chorleiter Tobias Leschke, Christian Rose und Maximilian Wolf zu einem mächtigen Klangkörper. Ihr Ziel war ehrgeizig: die gesamte Ausdruckskraft romantischer Chormusik zu entfalten, Mendelssohns Klangideal nahezukommen und den hohen musikalischen Anforderungen des Werkes gerecht zu werden. Dafür waren nicht nur organisatorisches Geschick, sondern vor allem eine enge musikalisch-interpretatorische Abstimmung zwischen den drei Chorleitern notwendig – schließlich verlangt das über zweistündige Werk in jeder Hinsicht Präzision und Ausdruckstiefe. Das Ergebnis: schlichtweg hervorragend.
„Ich hatte mir beim Elias einen Propheten gedacht, wie wir ihn etwa heut’ zu Tage wieder brauchen könnten“, schrieb Mendelssohn 1838. Kaum ein Satz könnte in unserer heutigen Zeit aktueller klingen. Inmitten globaler Krisen, politischer Unsicherheiten und wachsender Sprachlosigkeit gegenüber der Wahrheit sind Menschen gefragt, die sich – wie Elias – unbeirrt für Überzeugung und Aufrichtigkeit einsetzen. Darauf verwies auch Tobias Leschke in seiner Begrüßung, als er den Bogen zur Reichspogromnacht am 9. November 1938 spannte und gemeinschaftliches Handeln gegen Hass und Verachtung, für Mitmenschlichkeit und Empathie forderte.
Doch worum geht es in Mendelssohns monumentalem Werk eigentlich? Im Alten Testament kündigt der Prophet Elias dem Volk Israel eine schwere Dürre an. Unter König Ahab und seiner machtbewussten Gemahlin Isebel hatte sich das Volk vom Gott Israels abgewandt und dem Wettergott Baal zugewandt. Erst als Elias das Zeichen des vom Himmel fallenden Feuers beschwört und schließlich der erlösende Regen einsetzt, kehren die Menschen zu Jahwe zurück. Doch Elias’ Sieg ist nur von kurzer Dauer: Zweifel, Erschöpfung und Einsamkeit stürzen ihn in eine tiefe innere Krise. Schließlich wandelt sich sein Gottesbild – weg vom strafenden Herrscher hin zu einem barmherzigen, tröstenden Gott. Gestärkt durch Vertrauen und Hoffnung führt Elias das Volk zur Umkehr, stürzt den König und fährt am Ende in den Himmel auf. Mit jubelnden Lobgesängen beschließt Mendelssohn sein Oratorium – ein Werk, das den Propheten als zutiefst menschliche, vielschichtige Gestalt zeigt: als Zweifler und Kämpfer, dessen Glaube aus der Kraft des Vertrauens erwächst.
Im Verlauf des Oratoriums übernimmt der Chor zahlreiche Rollen und trägt das dramatische Geschehen maßgeblich. Das aus drei Chören vereinte Ensemble meisterte die heroisch-prachtvollen wie auch die innig-lyrischen Passagen gleichermaßen überzeugend. Der Klang war ausgeglichen, homogen und von hoher stimmlicher Präsenz geprägt – mal aufrüttelnd und dramatisch, dann wieder feinfühlig und berührend.
Die drei Chorleiter führten, abwechselnd am Pult, sicher durch die Partitur mit ihren vielen spontanen Einsätzen von Chor, Solisten und Orchester. Die vier Solisten – Sophie Richter (Sopran), Dorothée Rabsch (Alt), Youn-Seong Shim (Tenor) und Andreas Elias Post (Bass) – überzeugten mit brillanter Gestaltung, klanglicher Präsenz, Strahlkraft insbesondere in den höheren Bereichen ihres Parts und sicherer Kommunikation mit dem Orchester, das in der akustisch anspruchsvollen Kirche souverän und professionell agierte. Das rund 40-köpfige Ensemble, bestehend aus Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters Dortmund, bildete ein warmes, romantisch gerundetes Klangfundament und bestach durch Disziplin, Präzision und wohltuende dynamische Zurückhaltung, selbst in den Blechbläsern – keine Selbstverständlichkeit. Ein besonderer Moment war der kurze, aber betörend schöne Einsatz eines Solisten des Knabenchores der Chorakademie Dortmund, der am Ende des ersten Teils mit verdientem Zwischenapplaus bedacht wurde.
Auch wenn Tobias Leschke bei der Planung dieses Mammutwerks nicht ahnen konnte, dass er Iserlohn so bald Richtung Paderborn verlassen würde, darf diese Aufführung doch als Krönung seiner ereignisreichen und sehr erfolgreichen Zeit als Dekanatskirchenmusiker an St. Aloysius gelten. Das zahlreich erschienene Publikum dankte ihm und natürlich auch allen Mitwirkenden mit begeistertem Applaus und stehenden Ovationen.
Foto: © IKZ | Dennis Echtermann
Quelle: → https://www.ikz-online.de/lokales/iserlohn/article410420342/fesselnde-auffuehrung-von-mendelssohns-elias-in-iserlohn-begeistert-publikum.html
(zuletzt: 11.11.2025)
Wer kennt das nicht? Neues geistliches Liedgut soll mitreißend begleitet werden – doch auf der Orgel fehlt oft das gewisse Etwas, um den gewünschten Groove authentisch umzusetzen. Was zunächst als Herausforderung erscheint, wurde für die Teilnehmenden eines besonderen Workshops in der Bauernkirche Iserlohn zu einer inspirierenden Erfahrung.
Auf Einladung des Kirchenkreises Iserlohn, vertreten durch Kreiskantor Hanns-Peter Springer und des Dekanats Märkisches Sauerland mit DKM Tobias Leschke, bot Matthias Nagel eine intensive Fortbildung an der Grenzing-Orgel der Bauernkirche an. Die Resonanz war groß: 14 Organistinnen und Organisten, teils mit weiter Anreise, nahmen die Gelegenheit wahr, um ihre Fähigkeiten in der modernen Liedbegleitung zu erweitern.
Mit großer fachlicher Kompetenz und spürbarer Begeisterung führte Matthias Nagel in die Kunst der rhythmischen Gestaltung auf der Orgel ein. Er zeigte praxisnahe Möglichkeiten auf, wie sich pop- und rocktypische Rhythmen mit den spieltechnischen Möglichkeiten der Orgel verbinden lassen. Dabei ging es nicht nur um die richtige Artikulation oder Begleitmuster, sondern auch um harmonische Gestaltungsmöglichkeiten, die den Klang frischer und lebendiger machen. Besonders wertvoll waren Nagels Anregungen für gelungene Vorspiele, die einen fließenden Übergang zwischen freier Improvisation und Gemeindegesang ermöglichen.
Neben theoretischen Impulsen standen vor allem praktische Übungen im Mittelpunkt. Matthias Nagel demonstrierte satztechnische Besonderheiten verschiedenster Stilrichtungen – von Pop und Rock bis hin zu Siratki – und ließ die Teilnehmenden direkt an der Orgel erproben, wie sich rhythmische Akzente gezielt setzen lassen. Dabei erwies sich eine rhythmische Figur als besonders einprägsam: die charakteristische Kombination aus punktierter Viertelnote und nachfolgender Achtelnote. Kein Wunder, dass der Workshop mit einem Ohrwurm endete – „Am-sterdam, Am-sterdam“ hallte noch lange nach.
Ein herzlicher Dank gilt dem Förderkreis der Bauernkirche, dessen Unterstützung diese Fortbildung erst möglich gemacht hat. Durch sein Engagement konnte einmal mehr eine hochwertige musikalische Weiterbildung in Iserlohn realisiert werden, die den Teilnehmenden wertvolle Impulse für ihre kirchenmusikalische Praxis mit auf den Weg gab.
Iserlohn. „Magnificat“-Kammerchorkonzert der Extraklasse unter der Leitung von Dekanatskirchenmusiker Tobias Leschke begeistert in St. Aloysius in Iserlohn.
Von Hubert Schmalor
Eine musikalische Sternstunde zum Lobe Marias, der Mutter Gottes, hatte Dekanatskirchenmusiker Tobias Leschke konzipiert, in der zwei festliche Vertonungen des Magnificats die Eigenkomposition „Salve Regina“ einrahmten. Vieles drehte sich um Johann Sebastian Bach, auch wenn von ihm kein einziger Ton zu hören war. Der Lobgesang Marias aus dem Lukas-Evangelium hat in der Musikgeschichte zahlreiche Komponisten inspiriert, diesen als lateinischen Text in Form des Magnificat zu vertonen. Tobias Leschke hatte die Zuschauer in seiner Begrüßung eingeladen, „in die Kraft und Schönheit dieses Textes einzutauchen und sich auf seine Faszination einzulassen.“ Weiterhin wies Leschke auf die schwierigen akustischen Verhältnisse der Aloysiuskirche in Iserlohn hin: „Die komplexen Strukturen der beiden Magnificats sind eigentlich bei dieser Überakustik nicht aufführbar, deshalb sind wir in den hinteren Chorbereich ausgewichen, was optisch sicher nicht so optimal ist, akustisch sich aber in der Generalprobe als bester Kompromiss erwiesen hat“, erläuterte er die ungewohnte Anordnung der Aufführenden weit entfernt von den Zuhörern.
„Natürlich ist das Bach!“, war die Assoziation gleich nach den ersten Tönen. Strahlende Trompeten, barocker Festklang erfüllte den Raum und spätestens nach der großen Schlussfuge „Sicut erat in principio“ und einem klärenden Blick ins informative und attraktiv aufgemachte Programmheft war klar: Das war Bach! Allerdings nicht Johann Sebastian, sondern sein wohl in der Musikwelt bekanntester Sohn, Carl Philipp Emanuel Bach. Natürlich fällt auch hier der Apfel nicht weit vom Stamm, aber erstaunlich ist schon, dass des Sohnes „Magnificat“ im Gegensatz zu dem des Vaters so wenig bekannt ist – hat es doch vieles, was auch seinem Vater zur Ehre gereicht hätte. Nur eben etwas später entstanden, etwas klassischer, etwas homophoner angelegt. Ähnlich wie beim Magnificat seines Vaters ist der Text seiner Komposition auf mehrere, unterschiedliche Sätze verteilt. Zwei mächtige Chorsätze geben den Rahmen, ein etwas verhaltener Chorsatz (Et misericordia) wird in die Abfolge von solistisch vorgetragenen Arien eingefügt.
Im Aufbau sehr ähnlich konzipierte auch etwa 70 Jahre später der erst dreizehnjährige Felix Mendelssohn Bartholdy sein Magnificat. Mendelssohn Bartholdy war ein großer Anhänger von Johann Sebastian Bach und setzte sich in seiner Aufführungs- und Kompositionspraxis für die Wiederentdeckung der inzwischen etwas in Vergessenheit geratenen Werke des großen Meisters ein. So verwundert nicht die besonders in den Chorpassagen zu findende Vielzahl polyphoner Strukturen, die sich, natürlich unter Verwendung „romantisch“ erweiterter Harmonien, bis hin zu einer komplexen Fuge mit vier unterschiedlichen Themen steigern – das Werk eines Dreizehnjährigen, unglaublich. Und zwischen den beiden großen Kompositionen des Konzerts glänzte die kleine, aber sehr feine a-cappella Eigenkomposition „Salve Regina“ von Tobias Leschke, die durch variable Gegensätzlichkeiten und Klangreibungen, aber auch durch lyrische Melodieführung und eine harmonisch einfühlsame Schlusssequenz bestach.
Tobias Leschke hatte ein „Kammerchorkonzert“ angekündigt, sein Kammerchor des Pastoralverbundes Iserlohn ist jedoch dabei, mit seinen inzwischen mehr als 30 Sängern und Sängerinnen weit darüber hinauszuwachsen, ohne die Qualitäten eines kleinen Ensembles aufzugeben. So meisterte sein Chor die immensen Anforderungen der Werke und der Überakustik durch disziplinierte Artikulation, transparente, klare Stimmführung in den polyphonen Anteilen und konnte zusätzlich deutliche Pluspunkte bei einheitlicher und abgerundeter chorischer Klangentfaltung verbuchen. Tobias Leschke hat es geschafft, durch behutsame und fachlich abgesicherte Aufbauarbeit mit geschulten und offensichtlich chorerfahrenen Sängern einen Chor zu formen, der in Zukunft sicherlich noch öfters für musikalische Überraschungen sorgen und von sich hören lassen wird.
Auch für das konzentriert auftrumpfende und mit diversen Bläsern ergänzte Orchester Ghiribizzo war an diesem Abend Schwerstarbeit angesagt. Carl Philipp Emanuel Bach heißt eben nicht „leichter“ Bach und Mendelssohn Bartholdy ist auch nicht ein „Romantiker“, den man mal eben so vom Blatt spielen kann – Kompliment an das engagierte Ensemble. Bei den Soli und Arien beider Magnificats geht es in erster Linie um ausdrucksstarke, „malende“ und auch die Gefühle ansprechende Ausdeutungen des Lobgesangs Marias. Das Solistenquartett um Sophie Richter/Sopran, Heike Weber/Alt, Thomas Iwe/Tenor und Hanno Kreft/Bass, setzte dies mit durchsetzungskräftigen, sicher geführten und klangschönen Stimmen hervorragend um.
Am Rande bemerkt: Ein derart hochwertiges und sicher auch finanziell aufwendiges Konzert bei freiem Eintritt zu konzipieren, stellt, trotz unterstützender Sponsoren und der Hoffnung auf freizügige Spenden am Ausgang, eine interessante Variante der derzeitigen nicht nur im regionalen Raum zu beobachtenden Praxis dar.
Iserlohn. Ein Konzertabend im Forum St. Pankratius mit Hanno Kreft und Tobias Leschke machte klassische Musik in ihrer Vielfalt erlebbar. Was das Besondere war.
Ein erstklassiger Liederabend bildete den krönenden Abschluss der Konzertreihe „Sommerklänge 2024“ und lockte rund 80 Besucher in das Forum St. Pankratius an der Aloysius-Kirche in Iserlohn. Bass-Bariton Sänger Hanno Kreft und Tobias Leschke am Flügel begeisterten das Publikum am Dienstag mit einer musikalischen Reise durch die Höhen und Tiefen der Liebe, dargeboten in zwei besonderen Werken von Ludwig van Beethoven und Robert Schumann.
Dekanatskirchenmusiker und Organisator Tobias Leschke resümierte den Erfolg der „Sommerklänge 2024“, die mit vier ganz unterschiedlichen Konzerttypen unter dem Motto „Klassische Musik in ihrer Vielfalt erleben“ auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Zuschauer begeistert hat und hob besonders den Konzertabend des „Ensembles Ruhrblech“ hervor, bei dem es mit rund 200 Besuchern im Forum proppevoll war.
Mit ihrem Liederabend „Auf dem Hügel sitz ich spähend“ zog das eingespielte Duo Kreft und Leschke das Publikum beim Abschlusskonzert der Sommerklänge gleich in den Bann. Beethovens Werk „An die ferne Geliebte“, op. 98, das 1816 als Meilenstein und erster Liederzyklus in die Musikgeschichte einging, basiert auf sechs Gedichten des Medizinstudenten und Journalisten Alois Jeitteles und thematisiert eindrucksvoll „Die Sehnsucht nach der Liebe“. Tobias Leschke erläuterte in seiner Begrüßung: „Ich bin fasziniert von Beethovens Werk, weil es Klavier und Gesang zu gleichwertigen Stimmen vereint. Das Klavier verbindet zudem die sechs Lieder thematisch miteinander, was eine große Tiefe erzeugt.“
Und auch im zweiten Teil des Liederabends, als das Duo Robert Schumanns „Dichterliebe“ darbot, wurde die große Bedeutung, die Robert Schumann in seinem Werk dem Klavier zukommen lässt, spürbar. Schumanns „Dichterliebe“, op. 48, entstanden 1840, zählt zu den bedeutendsten und umfangreichsten Vertonungen von Heinrich Heines Texten und gilt als einer der herausragenden Liederzyklen der Romantik. Die Texte der „Dichterliebe“ zeichnen ein bewegendes Bild der Liebe in all ihren Facetten: vom überschwänglichen Liebeserwachen über den schmerzhaften Moment der Zurückweisung bis hin zur tiefen Verzweiflung eines unglücklich Liebenden, der seine Liebe schließlich aufgeben muss.
Die Interpretation der Kompositionen von Bariton Hanno Kreft und Tobias Leschke am Flügel transportierte die Ambivalenz der Werke erstklassig und mit großer spürbarer dynamischer Ausdruckskraft. Die Künstler überzeugten mit einer Darbietung, die sowohl die emotionale Tiefe als auch die musikalische Raffinesse der Werke eindrucksvoll zur Geltung brachte.
Die Zuschauer belohnten den besonderen Liederabend mit langanhaltendem Schlussapplaus. Ohne Zugabe ließen sie die beiden Künstler dann auch nicht gehen. „Du bist wie eine Blume“ von Gottfried Herrmann und Heinrich Heine war ein Ohrenschmaus für den Nachhauseweg. Eine begeisterte Besucherin brachte die Stimmung nach dem Konzert auf den Punkt: „Ich bin immer wieder fasziniert, dass solche Künstler in Iserlohn leben und die Kulturszene so sehr bereichern.“ Die Organisatoren der „Sommerklänge“ blicken bereits auf das kommende Jahr und versprechen erneut musikalische Vielfalt mit kleinen Ensembles.
Auch soll das Forum jungen Künstlern eine Bühne geben.